Adipositas als Krankheit erkennen

Nachdem ich nun also erkannt habe, dass ich es mit einer „normalen“ Diät nicht schaffen werde, so viel Gewicht abzunehmen, wie es nötig ist – mittlerweile habe ich ein Übergewicht von mehr als 50 Kilo – und dieses auch zu halten, muss man erst einmal schauen, was man hat. Ich brauchte nicht lange nach einer Krankheit suchen, denn die Diagnose Adipositas stand ja wie ein rosafarbener Elefant im Raum. Mich hat das so auch nicht weiter erschreckt. Ich musste dieses Krankheitsbild nur erste einmal für wirklich wahrnehmen und mich damit beschäftigen.

Ein bisschen ist das so, als wenn man Post bekommt und weiß, dass darin etwas Unangenehmes steht und sie deswegen nicht öffnen will; es aber muss, weil die Rechnung bezahlt oder Dinge erledigt werden müssen.

Was aber ist Adipositas eigentlich?

Definition: Wenn das Körpergewicht bei einer gegebenen Körpergröße über das Normalmaß hinausgeht, spricht man von Übergewicht. Starkes Übergewicht wird auch als Adipositas bezeichnet und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eigenständige Krankheit eingestuft.

Rund 25 Prozent der Deutschen sind davon betroffen, d. h. ein Viertel. Ich finde, das ist eine hohe Zahl und hätte ich selbst nicht gedacht.

Was heißt es aber, adipös zu sein?

Klar, das erste Anzeichen ist die Anzeige auf der Waage. Da steht eine viel zu hohe Zahl. Das kann man eventuell noch verkraften und macht sich nicht so viele Gedanken dazu. Manche Menschen haben halt einfach mehr auf den Rippen, aber das ist nicht immer gleich Adipositas. Gut, der BMI ist durchaus ein Anzeichen dafür. In mehreren Stufen zeigt er einem, ob man normalgewichtig ist oder leichtes bis starkes Übergewicht hat. Ein wenig spielt aber meiner Meinung nach auch das Wohlbefinden eine Rolle. Ich bewundere z. B. Menschen, die durchaus kräftiger gebaut sind, damit aber kein Problem haben oder sogar Profit draus schlagen. Zugegeben, ein wenig Neid war auch immer mit dabei. Diese Akzeptanz gelang mir leider nie.

Nun gut, es gibt also klare Zahlen (BMI und Taille-Hüft-Verhältnis), die eine Aussage treffen. Es gibt aber auch noch viele andere Anzeichen, die man entweder selbst oder eben nur durch ärztliche Untersuchungen zu Tage gefördert werden können. Du selbst kannst Anzeichen für eine Adipositas darin erkennen, wenn Du unter Kurzatmigkeit, schneller Erschöpfung, Gelenkschmerzen oder anderen körperlichen Einschränkungen leidest. Wenn Dir dann Dein Arzt auch noch sagst, dass Du Diabetes, Bluthochdruck und eine Fettleber hast, dann kann man sich mit der Thematik Adipositas schon einmal auseinandersetzen.

Die WHO stuft Adipositas als eigenständige Krankheit ein. Viele Ärzte kennen diese Krankheit auch. Aber viele Menschen können damit nichts anfangen. Wenn man sagt, dass man unter dieser Krankheit leidet, dann wird man oft belächelt. Fällt denjenigen ja auch leicht, wenn sie nicht davon betroffen sind. Wer aber sagt, dass er an Depressionen oder Burnout leidet, wird sofort ernst genommen und bemitleidet. Diese Krankheiten werden gesellschaftlich akzeptiert.

Adipöse Menschen werden gern belächelt und skeptisch angeschaut. Ihnen wird durchaus vorgeworfen, dass sie selbst daran schuld sind, dass es so weit gekommen ist, denn sie hätten ja nicht so viel essen brauchen. Aber auch Essen kann eine Sucht sein wie Rauchen, Drogen oder Alkohol. Es gibt auch Menschen, die süchtig sind nach Arbeit, Glücksspiel oder Adrenalin und stürzen sich deshalb die Klippen hinunter, um eine Befriedigung einer Mangelerscheinung zu erfahren. Adipöse Menschen essen, um ihrer Gefühle Herr zu werden. Das betrifft alle Gefühle – Wut, Trauer, Glück, Zufriedenheit. Da gibt es keine Unterschiede.

Sich diese Krankheit einzugestehen, ist ein Schritt, um die nächsten Schritte zu planen, wie man dagegen etwas tun kann.

Denn adipöse Menschen haben definitiv eine kürzere Lebenserwartung als nicht adipöse Menschen.

Ich habe für mich diese Krankheit erkannt und akzeptiert. So kann ich dagegen etwas tun. Denn Depressionen sind leider eine Begleiterkrankung dazu. Ich habe so viele Dinge in meinem Leben verpasst, über die ich mich ärgere. Sicher, man soll nicht in der Vergangenheit leben und das will ich auch nicht. Aber ich hätte dennoch gern einige Dinge anders gehabt. Ich konnte z. B. mit meiner Tochter nicht so toben und spielen, wie sie es verdient hätte. Ich wurde von Fahrgeschäften auf dem Rummel ausgeschlossen, weil ich da nicht hineingepasst hätte. Ich habe mich nicht getraut, in ein Ruderboot zu steigen. Ich schäme mich, schwimmen zu gehen und mich in einem Badeanzug zu zeigen. So viele Einschränkungen und Enttäuschungen, die ich für mich wahrgenommen habe, aber auch aussprechen musste. Auch heute noch tut mir das im Herzen weh und leid, denn viele Chancen und schöne Momente habe ich verpasst.

Aber ich habe noch eine Zukunft und möchte diese gern positiver gestalten. Ich möchte viel aktiver werden. Ich möchte spontan in Geschäfte gehen können, um mir einfach so etwas zu kaufen, nur weil es mir gefällt. Ich möchte ja zu Aktivitäten sagen und mich darauf freuen. Also sage ich dieser Krankheit den Kampf an, wohlwissend, dass sie mich ein Leben lang begleiten wird. Ich weiß wohl, dass sich durch die Operation nicht alle Probleme und Sorgen auflösen werden. Auch hier muss ich viel Arbeit investieren, aber ich habe endlich den Mut und den Willen wieder dazu gefunden.

Herzlich Willkommen

Ich bin Lisa und bringe recht viel Gewicht auf die Waage. Das habe ich, gefühlt, schon immer. Wenn ich mir allerdings Fotos von früher ansehe, dann muss ich zugeben, war es gar nicht so schlimm. Es wurde mir aber immer eingeredet, dass ich zu dick bin. Immer wenn ich zu meiner Verwandtschaft kam, hieß es, dass ich doch wieder ganz schön dick geworden sei. Immer wurde mir gesagt, dass ich nicht so viel essen soll.

Um mein Essen zu korrigieren, wurde mir gesagt, dass die Butter bereits im Quark sei, wenn es Pellkartoffeln mit Quark gab.

Für meine Familie wurde ich immer dicker, und sie sahen das, als ein immer größer werdendes Problem. Es wurde so viel darüber gesprochen und sich Gedanken gemacht. Themen wie Gewicht, Diäten, Figur waren immer präsent und nie war es gut. Über viele Jahre habe ich so einige Diäten und Diätprogramme ausprobiert.

So passierte es, dass meine Mutter mit mir zu einer Ärztin gegangen ist, mit der ich kontrolliert abnehmen sollte. Ich war ca. 14 Jahre alt. Mir wurde ein Pulver gegeben, welches ich in Joghurt einrühren musste. Mein Essen bestand ausschließlich aus diesem Joghurt mit einem grünen Pulver. Morgens, mittags, abends! Es war widerlich. Es hat einfach nicht geschmeckt. Ich weiß heute nicht einmal mehr, ob es auch geholfen hat, ob ich abgenommen habe. Wahrscheinlich schon, denn wer sich nur von Joghurt ernährt…. Ich weiß auch nicht mehr, wie lange ich das gemacht habe, aber ich war froh, als ich dieses Zeug nicht mehr essen musste.

Meine Mutter hat aber nicht aufgegeben. Durch das Lesen von Zeitschriften bekam sie immer wieder neue Diäten präsentiert. Einige Jahre später, hat dann die ganze Familie versucht, abzunehmen. Dazu haben wir uns eine Masse an Honigmelonen gekauft, die man über einen gewissen Zeitraum morgens, mittags, abends, ausschließlich essen sollte. Das haben wir genau zwei Tage durchgehalten, bis uns die Honigmelonen aus den Ohren kamen. Damit war dieses Projekt auch sehr schnell abgeschlossen und ich habe lange gebraucht, bis ich wieder Honigmelone essen konnte.

Ich war eine Zeit lang Leistungssportlerin. Ich bin mehrmals pro Woche zum Schwimmen gegangen. Ich bin an manchen Tagen sogar zweimal ins Wasser gegangen. Das heißt, ich bin morgens um fünf Uhr aufgestanden, war von sechs bis sieben Uhr im Wasser und um acht Uhr saß ich in der Schule. Oft bin ich direkt nach der Schule dann gleich wieder in die Schwimmhalle gefahren, um dort meine zweite Trainingseinheit zu absolvieren.

Nebenbei war ich dann auch noch Trainerin von Kindern. Das war eine stressige, aber sehr schöne Zeit. Ich glaube, ich war 18 Jahre alt, als ich aufgehört habe, so viel zu schwimmen. Ich musste dann meine Zeit in meine Ausbildung investieren. Trainerin bin ich dennoch geblieben, bis ich 25 war.

Ich weiß nicht, was passiert ist, ich fing an zuzunehmen. Unkontrolliert und stetig. Eines Tages im Jahr 2003 war ich im Büro, und als ich mich hinsetzen wollte, platzte meine Hose am Po. Völlig erschrocken und aufgelöst, bin ich voller Panik nach Hause gefahren. Mein Leidensdruck war so hoch, dass ich mich bei meiner Mutter ausgeheulte und wir uns gemeinsam bei den Weight Watchers angemeldet haben. So haben wir Woche für Woche, Punkt für Punkt gezählt und notiert. Es hat funktioniert. Ich habe innerhalb eines halben Jahres 25 Kg abgenommen. Ich war so stolz und habe mich so wohl gefühlt. Ich konnte mir Klamotten in Größe 40 kaufen und anziehen. Ich sah richtig gut aus.

Mit 23 wurde ich dann schwanger. Dass hier eine Zunahme erfolgt, ist klar. Allerdings habe ich in der Schwangerschaft mehr als 40 Kilo zugenommen. Während meiner Schwangerschaft habe ich sehr viele Süßigkeiten verdrückt. Mehrere Male musste ich bei den Vorsorgeuntersuchungen einen Zuckertest durchführen, denn die Zuckerwerte waren sehr hoch. Die Gefahr einer Schwangerschaftsdiabetes war durchaus gegeben.

Sicherlich kann man nicht erwarten, dass sofort nach einer Entbindung, alle Pfunde und Kilos einfach so wieder weg sind. Ich habe ungefähr zehn Kilo abgenommen. Mehr wurde es leider nicht. Aber das hat mich auch nicht weiter gestört, denn ich habe mich um meine Tochter gekümmert. Das war mir wichtiger als alles andere. Nach einiger Zeit ging mir das übrig gebliebene Gewicht doch ganz schön auf die Nerven und ich wollte wieder einmal versuchen, dieses loszuwerden. Für mich stand fest, dass ich es wieder mit den Weight Watchers versuchen werde, denn das hatte ja super funktioniert. Allerdings war das gar nicht so einfach, denn ich führte eine Wochenendbeziehung und war somit die ganze Woche immer allein. So habe ich dann versucht, über das Online-Programm der Weight Watchers, allein abzunehmen. Das hat überhaupt nicht funktioniert. Ich gab dieses Projekt sehr schnell wieder auf. Mein Frustpotenzial stieg allerdings immer mehr.

2006 habe ich geheiratet. Wir hatten nicht viel Geld, wollten aber dennoch eine schöne Hochzeit feiern. Ich wollte mit den wenigen Mitteln, die zur Verfügung standen, die schönste Hochzeit haben, die möglich war. Wir haben einen Raum zur Verfügung gestellt bekommen, den wir in Eigenleistung gereinigt und geschmückt haben. Tische und Stühle habe ich mir von meinem Arbeitgeber ausgeliehen. Wir haben wirklich das Beste daraus gemacht. Was nicht so einfach zu leihen war, war das Hochzeitskleid. Ich hatte eine ganz genaue Vorstellung von einem Kleid, die ich unbedingt erfüllt haben wollte. Dazu habe ich mir viele Kataloge und Zeitschriften angeschaut. Es sollte ein A-Linien-Kleid sein, dessen Träger über die Oberarme fielen und die Schulterpartie frei blieb. Als der Tag des Hochzeitkleidkaufes anstand und meine Mutter und meine Schwester mit mir auf die Suche gegangen sind, hatte ich noch sehr große Hoffnungen. Wir gingen in den Laden, konnten genau sagen, was ich wollte und die Verkäuferin holte mein Traumkleid von der Stange. Mein Traumkleid stand mir überhaupt nicht. Es sah einfach nicht gut an mir aus. Im Katalog an dem Model sah es perfekt aus. Aber dieses Model war ich nicht und deswegen war ich gar nicht so traurig, dass ich dieses Kleid nicht bekommen habe. Das Brautmodengeschäft hatte auch Kleider, die nicht sehr teuer waren, aber nicht in meiner Größe, die ich brauchte. Die Verkäuferin hatte allerdings doch noch eine Idee, da sie im Lager noch ein Kleid aus einer älteren Kollektion vorhanden hatte. Ich habe es angezogen und es passte. Ich war aber nicht die Braut, die ich sein wollte. Mit Accessoires und einigen Hilfsmitteln wurde ich dennoch zu einer hübschen Braut und ich hatte eine schöne Hochzeit. Diese Ehe hat nicht lange gehalten.

Nach der Trennung und während des ganzen Scheidungsverfahrens habe ich wieder einige Kilos mehr angesammelt. Ich hatte allerdings nicht die Kraft, mich auf eine Gewichtsreduktion zu konzentrieren. Es ist mir aber dennoch gelungen, hier und da, das ein oder andere Kilo abzunehmen und mich einigermaßen wohl zu fühlen. Allerdings fühlte ich mich dann doch nicht so wohl, um bei der Suche nach einem neuen Partner Erfolg zu haben.

Ich war neun Jahre lang alleinerziehende Mutter. Unterstützung erhielt ich von meiner Familie. Mit 36 lernte ich meinen heutigen Lebenspartner kennen. Ich war überglücklich, endlich einen Mann gefunden zu haben, der mich so akzeptiert und auch hübsch findet, wie ich war. Zu dem Zeitpunkt war ich auch Raucherin. Auch das wollte ich in all den Jahren davor schon so einige Male beenden. Durch meinen neuen Mann an meiner Seite habe ich es tatsächlich geschafft, von heute auf morgen, einfach so, mit dem Rauchen aufzuhören. Mittlerweile bin ich seit fast acht Jahren Nichtraucherin.

Ein Gedanke mit dem Rauchen nicht aufzuhören, war immer die Befürchtung, Gewicht zuzunehmen. Ich war deswegen ganz überrascht, dass das nicht so passiert ist. Ich habe nicht merklich zugenommen. Jedenfalls nicht, weil ich mit dem Rauchen aufgehört habe.

Mein Mann ist ein sehr offener und herzlicher Mensch, der immer sagt, was er denkt und was er fühlt. So kam es, dass er mich auch auf meine körperliche Veränderung ansprach. Auch er hat in seinem Leben schon viele Gewichtsauf- und abs durchgemacht. Er hat mir also angeboten, für mich auf meine Ernährung und meine Mahlzeiten zu achten. Das war neu und nicht immer ganz leicht für mich, aber ich habe mich darauf eingelassen. Mit dieser Methode habe ich knapp zehn Kilo abgenommen. Das war sehr schön und wurde auch sehr positiv aufgenommen.

Was denn genau passiert ist, kann ich nicht sagen. Ich weiß es schlichtweg nicht. Ich habe dann wieder massiv zugenommen und wiege nun wieder so viel, wie kurz vor der Entbindung meiner Tochter. Ich habe die Zahlen auf der Waage zwar gesehen, aber ich habe mich immer wohlgefühlt, beziehungsweise eben auch nicht. Ich habe sehr darunter gelitten. Gesundheitlich war soweit alles in Ordnung. So dachte ich jedenfalls. Es hat mich frustriert, dass Klamotten, die ich neu kaufen wollte, immer größer gekauft werden mussten. Einkaufen im Geschäft hat mir einfach keinen Spaß mehr gemacht und mich wahnsinnig frustriert, denn die Kleidung von der Stange, war nicht mehr für mich vorhanden. Alles was ich online bestellt hatte, habe ich zu Hause an probiert und zwar im Schnelldurchlauf. Die Anproben hatten nichts mehr mit Genuss zu tun. Ich habe mich nicht vor dem Spiegel gedreht und mich von allen Seiten betrachtet, um zu gucken, ob die Klamotten schön aussehen und mir gut stehen. Ich habe Klamotten gekauft, weil es notwendig war und ich sie brauchte. Denn der Verschleiß – gerade bei Hosen – war enorm. Nach kürzester Zeit waren die Hosen an den Innenseiten der Oberschenkel durchgerubbelt.

So hatte ich dann immer mal wieder Phasen, in denen ich sehr deprimiert war. Mein Mann fragte mich immer, woran es liegen könnte, dass ich zunehme. Denn er hat mich zu Hause Frühstück, Mittag- und Abendessen essen gesehen. Mehr meist nicht. Er konnte meist auch nicht mehr sehen, denn die Zwischenmahlzeiten und Naschereien blieben aus.

Wenn ich aber im Büro war, habe ich jeweils zwischen den Mahlzeiten noch etwas gegessen und sehr viel genascht. Hinzukommt, dass ich mich im Büro kaum bis gar nicht bewege. Selbst in den Mittagspausen bin ich nicht rausgegangen, um etwas Bewegung zu bekommen. Viele Jahre bin ich auch grundsätzlich mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Die Zwischenmahlzeiten und die Naschereien habe ich meinem Partner gegenüber nicht zugegeben, weil ich mich vor mir selbst dafür geschämt habe. Ich war in einem Dilemma gefangen. Ich wusste also ganz genau, woran es lag, dass ich zugenommen habe, konnte dies aber nicht ändern. Denn ich habe gegessen aus Langeweile, Frust und auch zur Belohnung, wenn mir etwas besonders gut gelungen ist. Wenn ich dann wieder eine Depression hatte, weil ich wieder größere Klamotten brauchte, habe ich auch gegessen, um meinen Schmerz und meine Trauer darüber zu bekämpfen.

Leider reden wir hier nicht davon, dass ich dann eine kleine Tüte Gummibärchen oder einen Schokoriegel gegessen habe, nein, wir reden von einer großen Tüte Gummibärchen und einer kompletten Packung Schokoriegel oder einer ganzen Tafel Schokolade. Manchmal haben mich die Süßigkeiten nicht mehr zufrieden gestellt, dann habe ich auch noch zusätzlich gern herzhafte Sachen gegessen.

Es fällt mir nicht leicht, das alles zu gestehen und zuzugeben.

Oft saß ich im Büro und mir kam der Gedanke, dass ich doch jetzt unbedingt etwas essen möchte. Ich habe dann dagegen gehalten, denn es war noch lange nicht an der Zeit, wieder etwas zu essen. Mich hat aber der Gedanke nicht losgelassen und mich absolut beherrscht. Man darf sich das ruhig so vorstellen: Teufelchen links – Teufelchen rechts. Besser ist dieses Bild eigentlich nicht zu beschreiben, was sich da in mir abgespielt hat. In mir fand ein Streitgespräch mit mir selbst statt. Wisst ihr wer gewonnen hat?

Ich kann es vielleicht ein wenig so beschreiben, dass ich eine außerkörperliche Erfahrung hatte. Nach dem Hin und Her meiner beiden inneren Stimmen, obwohl die Stimme der Vernunft so gut wie gesiegt hatte, bin ich aufgestanden, habe mich angezogen und ich bin zum nächsten Supermarkt gelaufen, um mir dann den Korb voll zu machen. Ich konnte einfach nichts dagegen tun. Ich war wie ferngesteuert. Ich konnte mich selbst nicht aufhalten. Ich lief und lief und packte mir die Nahrungsmittel ein, in der Hoffnung, dass sie mich satt und zufrieden machen würden. Im Büro wieder angekommen, fing ich dann an zu essen und zwar so lange, bis entweder alles weg war oder ich so voll war, dass ich Bauchschmerzen bekommen habe. Mein schlechtes Gewissen schlug dann zu und ich fing an mich zu schämen. Für diese Scham habe ich mir dann noch etwas Süßes gegeben, weil ich mich ja irgendwie bestrafen musste. Danach ging es dann einigermaßen. Das Schlimmste daran ist, dass dieser Prozess noch vor der Mittagspause stattgefunden hat. Ein „richtiges“ Mittagessen habe ich dann nicht mehr gegessen, aber hier und da ging noch ein Stück Schokolade.

Nach Hause bin ich meist auch völlig satt und überladen gegangen. Dort konnte ich ja aber nun nicht sagen, dass ich schon so viel gegessen habe. Also habe ich mich brav an den Tisch gesetzt und habe auch hier noch meine Portion zu mir genommen.

Im Juni 2022 war dann der Punkt erreicht, an dem ich eine so tiefe Trauer in mir verspürte, mit der ich nicht mehr umgehen konnte. Ich habe mich für mich und vor mir selbst geschämt und mich verachtet. Ich hatte immer mal wieder solche Phasen, aber diesmal war das ganz tief in mir. Die Verzweiflung, die ich da gespürt habe, war schrecklich. Natürlich gehören dazu auch fürchterlich viele Tränen, die vergossen wurden – in den vielen Jahren waren es sicherlich einige Eimer voll Tränen. Aber diese bringen einen ja nicht weiter. Eine andere Lösung musste her.

Was aber kann einem noch helfen, wenn man so viel Möglichkeiten von Diäten bereits ausprobiert hat und sie nur wenig und kurzfristig geholfen haben. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die mit den unterschiedlichsten Diäten, die es so gibt, auf dieser Welt, Erfolg erzielt haben und ihn auch halten. Ich finde das ganz toll und ich beglückwünsche diese Menschen, dass es bei Ihnen funktioniert hat und sie den Willen hatten, dass so zu verinnerlichen. Viele von ihnen müssen sicherlich ein Leben lang kämpfen, um das Erreichte zu behalten. Ich bin auch bereit, dafür zu kämpfen. Aber allein und ohne eine einschneidende Veränderung wird es bei mir nicht funktionieren. Ich bin mit meinem Latein am Ende. Mir kann nur noch eine operative Lösung helfen.

In meinem damaligen Freundeskreis gab es eine Freundin, die das schon vor einigen Jahren gemacht hat. Ich habe sie dafür in gewisser Weise verurteilt und hatte kein Verständnis dafür, da ich der Meinung war, dass sie faul war und nicht genug Einsatz gezeigt hatte, um eine Veränderung ihres Gewichtes herbeizuführen. Heute sehe ich das anders. Heute habe ich mich selbst dazu entschlossen, eine Magenverkleinerung vorzunehmen. Ich werde mich unters Messer legen. Diese Entscheidung ist eine gravierende Entscheidung, die ich mir nicht leicht gemacht habe.

Gern möchte ich den Werdegang zu dieser Entscheidung und alle Erkenntnisse, die ich dazu erlangt habe, mit Euch teilen und vielleicht kann ich damit helfen, sollte sich noch jemand in dieser Situation befinden. Ich möchte gerne diese Plattform benutzen, um meine Erfahrungen zu teilen.

my new me

Hallo und herzlich willkommen auf meiner Seite.

Ich bin Lisa, 45 Jahre alt und lebe mit meiner Familie in Berlin.

Dies ist ein Blog, der in erster Linie mir selbst helfen soll, um die Geschehnisse und meine Erlebnisse, die ich gemacht habe, zu verarbeiten. Er soll aber auch denjenigen dienen, die daran interessiert sind und/oder eventuell das gleiche Vorhaben vor sich haben. Ich bin adipositaskrank und lasse mir meinen Magen verkleinern. Wenn Du mich auf meiner Reise in ein neues Leben begleiten möchtest, bist Du herzlich dazu eingeladen. Ich werde hier schildern, was für eine Operation alles notwendig ist. Und wenn Du Hilfe benötigst, weil Du das gleiche Vorhaben hast, dann freue ich mich darauf, Dir mit Rat und Tat zur Seite zustehen.

Um mein neues Ich noch weiter zu festigen, habe ich mich dem Nähhobby gewidmet. Gern möchte ich hier meine Nähkünste zeigen und auch hier mit Inspirationen für eigene Kreationen oder Hilfestellungen zur Verfügung stehen.

Ich freue mich darauf, hier meine Erfahrungen zu teilen und in mein neues Leben zu starten.

Liebe Grüße
Lisa