Fuß-OP

Es ist geschehen. Ich habe mich am Fuß operieren lassen. 

Ich war im Vorfeld so aufgeregt und nervös; beinahe wäre ich noch vom OP-Tisch gesprungen. Wobei das nicht ganz einfach geworden wäre, denn ich habe mich für eine Spinalanästhesie entschieden und war somit von der Hüfte an abwärts gelähmt und gefühllos. Mit dieser Entscheidung habe ich mich durchaus schwergetan und bis zur letzten Minute gewartet. Vorher hatte ich mit meiner Mutter und meiner Schwester gesprochen, die das schon mal gemacht haben und davon begeistert waren.

Aufgrund meiner Magen-OP wurde mir auch von ärztlicher Seite her dazu abgeraten. Bei einer Vollnarkose wird einem ein Tubus gesetzt, der zu Schwierigkeiten führen kann. Es besteht dann die Möglichkeit, dass Magensäure in die Lunge dringt, was sehr unschön enden könnte. 

So lag ich also auf dem OP-Tisch und habe zugesehen, wie mein Bein desinfiziert wurde. Dabei wurde es angehoben und das hat mich schockiert. Wenn ich es nicht gesehen hätte, hätte ich es nicht mitbekommen, dass da was gemacht wurde. Die absolute Gefühllosigkeit. Das war sehr merkwürdig. Während der OP habe ich auch ein Tuch vor die Nase bekommen, so konnte ich nichts sehen. Zusätzlich hatte ich Kopfhörer auf. Die Schwestern waren wirklich nett und sehr bemüht. Etwas kalt war mir währenddessen, und ich habe sofort eine Wärmedecke bekommen. Meine Kopfhörer bzw. die Musik konnte allerdings nicht ganz die Geräusche der Geräte übertönen. Nach etwas mehr als zwei Stunden wurde ich dann in den Aufwachraum gebracht und konnte direkt von dort aus meiner Familie mitteilen, dass es mir gut geht. Der Vorteil dieser Narkoseart ist, dass sie nicht im Kopf ankommt und man deswegen nicht so schläfrig und matsche ist. Der Nachteil ist, dass man einige Stunden lang nicht aufstehen kann und auch die Blasenkontrolle darunter leidet. Der Narkosearzt sagte mir dann noch, dass das Gefühl zuerst kommt, aber die Kraft erst ganz zum Schluss. Es war irgendwie lustig, zu beobachten, wie so ganz langsam das Gefühl und die Bewegung wieder zurückkamen. Ich habe mir den Luxus gegönnt und mir ein Einzelzimmer geleistet. Wenn ich Besuch bekomme, störe ich keinen anderen und umgekehrt. Außerdem kann ich mich so verhalten, wie ich es möchte und gehe sonst niemanden damit auf die Nerven.

Ein wenig Sorge hatte ich, was das Essen angeht, denn das Essen im Krankenhaus ist nicht gut und zusätzlich kann ich nicht alles essen mit meinem Magen. Da habe ich aber etwas vorgesorgt und mir mein eigenes Brot mitgebracht. Mein erstes Frühstück dort war allerdings der Knaller: es gab Croissant, ein Ei, ein Brötchen, Apfelsaft und eine Zeitung.

Meine Tochter war im gleichen Krankenhaus, auch auf der gleichen Station. Das bekam sie nicht. Auch wenn ich das so nicht alles essen konnte und es mir im Grunde darauf auch nicht ankam, würde ich mir doch immer wieder ein Einzelzimmer gönnen. Ja, es kostet mehr, aber der Genesung ist es zuträglich und so zu rechtfertigen.

Nach zwei Tagen Aufenthalt durfte ich dann nach Hause. Da wollte ich auch unbedingt hin, denn zu Hause und in gewohnter Umgebung heilt man ja am besten. Es stellte sich dann allerdings nur so dar, dass ich doch eine größere Belastung war, als gedacht, denn die Erkältung meines Mannes stellte sich als eine Lungenentzündung heraus. So ein Mist! Da habe ich im November meine OP wegen Weihnachten verschoben und dann ist der neu gewählte Zeitpunkt noch schlechter. Ich konnte nichts machen. Die ersten zwei Wochen nach der OP durfte ich den Fuß absolut nicht belasten. Egal was ich machen wollte, ich brauchte immer Hilfe. Das war wirklich blöd.

Nach zwölf Tagen sollten die Fäden gezogen werden. Also bin ich zum Arzt gefahren. Ich kam in einen kleinen Raum mit einer Liege, auf die ich mich setzen sollte. Neben meinem Mann waren dann dort noch zwei ganz frische Azubis, ein fortgeschrittener Azubi und ein Arzt in dem Raum – mit mir also sechs Personen. Vor dem Ziehen der Fäden hatte ich Angst. Der Fuß wurde also ausgepackt und es ging los. Ein Schnitt hier, ein Schnitt dort, dann wurde gezogen, festgezogen, so dass es mir weh tat. Ratlosigkeit machte sich breit und mir wurde schwindlig. Mein Kreislauf drohte zusammenzubrechen. Es wurde mir ein Wasser gebracht du ich legte mich hin. Es wurde viel rumgedoktert und gerätselt und Fäden wurden gesucht. Nach einigem Hin und Her wurde mir eine Einweisung ins Krankenhaus gegeben, damit die Ärzte dort die verbliebenen Fäden herausholen sollten. Auf direktem Wege ging es dann also ins Krankenhaus. Es war aber kein Tag, an dem die Fußsprechstunde stattfand. Erst wollte man mich in die Rettungsstelle schicken, dort war es aber so voll, dass ich in der Ambulanz bleiben konnte, um dort auf einen Arzt zu warten. Nach guten 2 Stunden kam eine Ärztin, die aber keine Fäden gesehen hat und mir anbot, am nächsten Tag wieder zu kommen, denn dann seien die Ärzte da, die den Fuß operiert und die Wunden genäht haben. Ich bin also, völlig fertig mit den Nerven, nach Hause gefahren und am nächsten Tag wieder hin. Tatsächlich erwartete mich dort eine der Chirurginnen, die mich operiert hatte. Der habe ich dann die ganze Geschichte erzählt und sie schaute sich den Fuß an.

Schorf und getrocknetes Blut haben die Sicht etwas versperrt, aber sie wollte unbedingt wissen, ob dort noch Fäden waren. Also hat sie mir zwei Betäubungsspritzen gegeben und so lange gesucht, bis sie zwei Fäden à 3 cm gefunden hat. Mein Mann hat ihr mit seinem Handylicht dabei assistiert und sagte mir dann, dass die Nähte doch ganz schön wieder geöffnet wurden. Sie wurden dann aber nicht genäht, sondern nur mit Klebestreifen fixiert. Dazu hat sie mir dann noch ein Antibiotikum verschrieben, dass ich vorsorglich nehmen sollte, da nun so viel an dem Fuß gemacht wurde und sie Angst hatte, dass jetzt auch noch eine Infektion dazu kommen könnte. Meine Erleichterung und Dankbarkeit war so groß, dass ich das Medikament nun auch gerne nehme.

Den Orthopäden, der mir das angetan hat, werde ich nie wieder aufsuchen – ganz sicher nicht. Ich habe mir einen anderen gesucht, der zwar auch nicht der Beste ist, aber Fäden braucht er ja auch nicht mehr ziehen. 

Mein Fuß heilt. Ich brauche schon keine Gehhilfen mehr. Zwar muss ich noch einen Spezialschuh tragen, aber so weit komme ich sehr gut zurecht. Meine Familie kann ich auch wieder unterstützen.

Man merkt ja immer erst, wie gut es einem geht, wenn einem etwas fehlt oder man es nicht benutzen kann. Selbst ein Schnitt im kleinen Finger oder Daumen schränkt einen schon ein. Wenn ein Fuß ausfällt, auch wenn gewollt und geplant, ist es eine wirklich heftige Einschränkung. Deswegen werde ich mir eine Operation am anderen Fuß sehr genau überlegen. Das ist kein Spaziergang.

Ich habe eine tolle Familie um mich herum, die mir hilft und mich unterstützt und auch die räumlichen Gegebenheiten bieten Platz für solche Einschränkungen. Dennoch bin ich dankbar dafür, dass dies keine dauerhafte Beeinträchtigung ist. 

Mit der Hilfe von Physiotherapie, eigenem Willen und Einsatz habe ich dieses Projekt hoffentlich in ein paar Wochen hinter mir. Ich freue mich schon auf meinen Urlaub, zu Ostern, in der Toskana.  Worüber ich sehr erleichtert bin, weil ich mir schon Sorgen darüber machte, ist, dass ich nicht zugenommen habe. Durch die wenige Bewegung, die ich zwangsläufig hatte, befürchtete ich dieses. Aber ein – umständlicher – Gang auf die Waage hat alle Befürchtungen und Zweifel schmelzen lassen.

Hallux valgus

Mal ein ganz anderes Thema: Hallux valgus
Wer kennt es?

Wer es nicht kennt, dem versuche ich, das verständlich zu erklären. Beim Hallux valgus handelt es sich um eine schief stehende Großzehe, den großen Onkel also. Dieser Zeh wird meist durch zu enges Schuhwerk in Richtung der anderen, kleineren Zehe, gedrückt. So aber nicht bei mir. Ich trage dann und wann mal Absatzschuhe, die dann sicherlich im Bereich der Zehen enger zulaufen, aber das ist nicht mein tägliches Schuhwerk. Bei mir handelt es sich um eine Hypermobilität meiner Sehnen, die mit dafür verantwortlich sind, den Zeh an Ort und Stelle zu halten. Bei mir haben sie versagt. Das haben sie aber nicht erst jetzt, sondern schon von Anfang an. Leider ist es bei mir erblich bedingt, dass sich meine Zehe quer gestellt haben und ich somit einen Spreiz-Senk-Plattfuß habe – beidseitig. Bereits mit 18 Jahren hatte ich also schon so meine Knieprobleme wegen dieser Fehlstellung. Somit wurde ich an beiden Füßen vor vielen Jahren operiert.

Dies so weit zu meiner Vergangenheit. In der Gegenwart ist es so, dass ich diese Eigenschaft an meine Tochter vererbt habe. Von Anfang an habe ich auf vernünftiges Schuhwerk geachtet, und dennoch war sie noch unter zehn Jahre, als die Fehlstellungen ihre Anfänge zeigten. Seither waren wir regelmäßig bei Orthopäden zu Gast, haben Einlagen und Physiotherapie verschrieben bekommen. Der Arzt war toll, er hat immer neue Dinge versucht, um ihr eine Operation zu ersparen, aber mindestens diese so lange wie möglich hinauszuzögern.

Sie war 19, als die erste Operation erfolgte und 20 Jahre alt bei der zweiten Operation. Die Schmerzen in ihren Füßen waren einfach schon zu stark. Der Chirurg hat ganz tolle Arbeit geleistet und ihre Füße wieder repariert.

Noch einmal ein kurzer Sprung in die Vergangenheit. Als ich damals operiert wurde, wurde mein linker Zeh gerichtet und versteift. Im obersten Gelenk kann ich ihn also nicht mehr beugen. Was auch immer an meinem rechten Fuß gemacht wurde, der Zeh ist schief geblieben. Auf beiden Füßen prangen große, lange Narben, weshalb ich mich nie getraut habe, meine Füße in offenen Schuhen zu zeigen.

Die Operationen meiner Tochter haben mich dazu bewogen, mich ebenfalls in dem Krankenhaus vorzustellen, um in Erfahrung zu bringen, ob und was bei mir noch möglich ist. An meinem linken Fuß ist mir zusätzlich eine kleine Erhebung aufgefallen, wenn ich mit den Zehen kralle. Da bei den früheren Operationen auch Material im Fuß verblieben ist, hatte ich Angst, dass es sich dabei um einen Schraubenkopf handeln könnte.
Es ist kein Schraubenkopf.
Nachdem sich der Chefarzt für meine Füße interessierte und sich alles ganz genau angesehen hat, habe ich einen Operationstermin im November vereinbart.

Ich bin sehr positiv gestimmt, dass mir diese Maßnahme etwas bringt.

Durch die Abnahme sind die Füße zwar entlastet, aber durch das Übergewicht waren viele andere Gelenke sehr stark belastet. Ich erhoffe mir, dass durch die Fuß-OP die Schmerzen im Rücken weniger werden oder aber sogar verschwinden.
Der Gedanke, mich wieder unter das Messer zu legen und für eine lange Zeit nicht laufen zu können, gefällt mir nicht, aber wie lange will ich noch warten? Ich bin noch nicht so alt, dass mir meine Mobilität egal ist.

Also, Augen zu und durch.