Ich entscheide mich für mich!

Ich gebe es zu, es ist ein wenig Zeit vergangen, seit meinem letzten Beitrag

Ich war schon wieder im Urlaub und diesmal habe ich verstärkt auf ein paar Dinge geachtet, bzw. sind sie mir aufgefallen. Meine Knieschmerzen beim Wandern sind weg.

Den Urlaub haben wir in Schleswig-Holstein an der Nordsee verbracht. Ganz oben, an der Grenze zu Dänemark. Trotz des vielen Regens war es dort sehr schön. Wir haben viele Ausflüge gemacht und sind viele Kilometer gelaufen. Gut, nun ist das norddeutsche Flachland nicht mit Bergen übersäht, aber hoch und runter ging es hier und da schon mal. Selbst als ich noch 50 Kilo mehr hatte, konnte ich alle Wanderungen mitmachen. Ich hatte immer mein eigenes (oft sehr langsames) Tempo, aber es ging immer vorwärts. Allerdings habe ich nach einiger Zeit immer mein rechtes Knie gemerkt. Die Belastung war ihm irgendwann zu viel und hat dann einfach nachgegeben. Das machte sich so bemerkbar, dass die Kniescheibe gesprungen ist. Meist dann, wenn es bergab ging und die Belastung am größten war. Dieses Ereignis hat sich immer irgendwie angekündigt und ich wartete nur darauf. Leider hat es mir keine Erlösung gebracht.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn sich, meist im Rücken, etwas „verkantet“ hat und man auf diesen „Knack“ wartet, der zwar weh tun kann, aber eine Wohltat ist, weil dann die Spannung weg ist?

So war es beim Knie auch. Es knackte und tat weh. Leider nicht nur einmalig. Es scheint der Vergangenheit angehören. Wie gesagt, Nordfriesland ist nicht für seine Berge bekannt, aber Auf – und Abstiege gab es dennoch und mein Knie machte das alles schmerzfrei mit. Das macht Spaß, Lust und Freude auf mehr Wanderungen und Ausflüge, ob da nun Berge dabei sind oder nicht.

Mir ist auch aufgefallen, dass einige Ängste immer mehr (ver–) schwinden. Aufgefallen ist mir das in der Rolle als Beifahrerin. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ich immer noch besser fahre als alle anderen. Ich weiß selbst, dass ich keine gute Beifahrerin bin, denn ich bremse immer mit und bin allgemein sehr schreckhaft. Wenn wir mit dem Auto unterwegs waren, konnte ich mich nie entspannen. Wenn ich fahre, schlafen meine Beifahrer meist ein. Für mich ein Ding der Unmöglichkeit, weil mich die Angst immer wach und aufmerksam hält. Das hat sich gelegt. Ich bin zwar noch immer nicht im völligen Zen, aber entspannter bin ich allemal geworden. Das Zu– und Vertrauen ist größer geworden. Ich klammere mich nicht mehr am Türgriff fest und ich kann damit leben, dass auf der rechten Seite im Auto keine Pedale im Fußraum sind. Es ist ein sehr schönes Gefühl, nicht mehr ständig diese Angst haben zu müssen und entspannter die Autofahrt zu genießen– auch für den Fahrer.

Wenn ich auch anfange, Ängste zu überwinden, bzw. diese abschwächen, habe ich doch noch nicht in jeder Lebenslage volles Zutrauen zu mir und meinem Körper. So war ich mit meinen Kindern und meinem Neffen in einem Trampolinsprungpark. Das wollte ich schon immer einmal machen. Vor vielen Jahren bekam meine Tochter ein Trampolin von ihren Großeltern geschenkt. Nach dem Aufbau bin ich mal drauf und habe es versucht. Sehr schnell merkte ich, dass das nichts für mich ist. Jetzt war es aber soweit – endlich.

Kleiner Tipp am Rande aber gleich am Anfang – richtet sich an Frauen: unbedingt einen Schutz in die Hose tun. Jeder Sprung kann den Verlust von Flüssigkeit mit sich bringen.

Das Springen hat super viel Spaß gemacht. Meine Gelenke taten mir nicht weh. Etwas Überwindung hat es gekostet, in ein Becken mit Schaumstoffwürfeln zu springen. Das Herauskrabbeln war allerdings ordentlich anstrengend, da man keinen festen Boden unter den Füßen hatte. Das war sehr kompliziert.

Dann war dort ein Turm von ca. zwei Meter Höhe. Die Kinder sind hoch gestürmt und einfach hinuntergesprungen. Ich habe alle mir nachkommenden Kinder vorgelassen, bis ich die Plattform für mich allein hatte. Ich stand mehrere Male an der Kante und bin mehrere Male wieder zurückgegangen. Angst, Unbehagen und Unmut überfielen mich. Es hat ca. zehn Anläufe gebraucht, bis ich mich dazu überwinden konnte, in die Hocke zu gehen und mich fallen zu lassen. Mehrere Absprungvarianten habe ich durchgespielt. Ich hatte Angst, dass ich mir weh tue und mich verletze. Aber aufgeben wollte ich auch nicht. Niemand stand da und hat mich gezwungen. Ich wollte es mir selbst beweisen. Und irgendwann habe ich es geschafft! Ich bin gesprungen und habe mich nicht verletzt.

Was ich allerdings nicht geschafft habe, war das in ein vertikales Wandtrampolin zu springen. Ich konnte mich nicht dazu überwinden, meinen Körper senkrecht gegen ein Trampolin zu schmeißen. Das Was-passiert-dann-mit-mir? konnte ich mir nicht vorstellen, bzw. ausmalen, dass das gut geht und habe es sein lassen, obwohl ich genau DAS unbedingt machen wollte. Vielleicht beim nächsten Mal.

Im Fazit kann ich zwar sagen, dass ich mir immer mehr zutraue und auch Willens bin, mir mein Kopf, bzw. mein Körpergefühl noch nicht zulässt, mich auf alles voll und ganz einzulassen. Es fühlt sich noch immer nicht ganz vollständig normal an. Wird schon werden. Es muss ja nicht alles gleich jetzt und sofort passieren. Ich muss nur darauf achten, mehr „Ja!“ zu sagen und etwas zu probieren und zu wagen.

Sollte ich scheitern, ist das nicht schlimm. Es muss nicht alles funktionieren.

Nur ist meine Erwartungshaltung an mich selbst so hoch.

Werde ich jemals ein normales Leben leben können?

Weiterhin werde ich von Schmerzen im Hüftbeuger geplagt. So manches Mal, wenn ich aufstehe, dann jagt ein ziehender Schmerz durch mein linkes Bein, welcher mich erst einmal Luft holen lassen muss, damit es weitergehen kann. Bei der Physiotherapie war ich bereits 2x. Je sechs Therapieeinheiten habe ich absolviert. Einmal wurde ich ausgiebig massiert und einmal habe ich viele Übungen gezeigt bekommen. Leider hat es nicht viel geholfen. Ich werde mich mal um einen Chiropraktiker bemühen. Vielleicht kann der etwas mit dem ein oder anderen „Knack“ bewirken. Ich muss und werde es probieren.

Von einem weiteren unschönen Erlebnis möchte ich euch berichten, das nicht unbedingt mit der Operation im Zusammenhang stehen muss, da ich so etwas aber noch nie zuvor erlebt habe, stelle ich diesen Zusammenhang schon irgendwie her. Allerdings kommen doch einige Faktoren gleichzeitig zusammen.

Eines Morgens wollte ich wie immer mit der S-Bahn um 07:31 Uhr ins Büro fahren. Es war einigermaßen kalt. Ich hatte einen nicht ganz so dicken Pullover an und eine Daunenmantelweste darüber; ein Halstuch und eine Maske. Es ergab sich, dass die Bahn um 07:31 Uhr spontan ausgefallen ist und so durfte ich 20 Minuten auf die nächste Bahn warten. Die Bahn um 07:51 Uhr kam pünktlich, war aber komplett voll. Alle Sitzplätze waren belegt bzw. besetzt. Ich kann noch erwähnen, dass meine Haltestelle die zweite auf dieser Strecke ist. Ich habe mich fürchterlich darüber geärgert und war auch etwas erregt. So stand ich also dort und freute mich darüber, dass ich eine Fahrt von 35 Minuten vor mir hatte. Nicht!

Mir wurde immer wärmer und es wurde von Station zu Station immer voller und enger. Auf einmal merkte ich, dass ich alles um mich herum immer weiter entfernte und die Kraft in meinen Beinen nachließ. Ich erinnerte mich daran, was mein Mann zu mir sagte, dass ich darauf achten soll, nicht zu stürzen, wenn es mir nicht gut gehen würde. Deswegen machte ich die Leute auf mich aufmerksam und sprach ich laut, dass es mir nicht gut gehen würde und hockte mich hin. Alle um mich herum schauten mich mit großen und erstaunen Augen an. Eine Frau bot mir ihren Platz an, den ich annahm. Ich habe mir die Maske aus dem Gesicht genommen und meinen Schal geöffnet. Eine andere Frau bot mir ihr Wasser an, welches ich dankend abgelehnt hatte. Als wir in die nächste Station einfuhren, bin ich ausgestiegen und habe die kühle frische Luft genossen, die mir wieder einen klaren Verstand verschafft hat.

Nach ein paar Minuten habe ich meinen Mann angerufen und ihm von meinem Erlebnis erzählt. Weitere Minuten vergingen, und mir ging es wieder so gut, dass ich in die nächste leerere Bahn eingestiegen bin, einen Sitzplatz hatte und ins Büro fuhr.

Den restlichen Tag war ich etwas langsam beim Denken, aber es ging mir wieder gut. Drei Tage hat es gedauert, bis ich mich vollständig davon erholt hatte. Als ich an dem Abend mit der Bahn wieder nach Hause fuhr, wurden alle Fahrgäste einige Stationen später aus dem Zug gebeten, da es einen Polizeieinsatz gab und eine Weiterfahrt ungewiss sei. Auf dem Bahnsteig, stapelten sich die Menschen, die alle dort weg wollten, aber nicht wussten, wie sie das machen sollen. Für mich stand in diesem Augenblick sofort fest, dass ich mir ein Uber nehmen werde. 20 Minuten später war ich zu Hause. Danke, dass ich diesen Tag überstanden habe.

Am Anfang braucht man Mut, um am Ende glücklich zu sein

Meine Operation ist nun knapp sieben Monate her. In diesen sieben Monaten habe ich knapp/fast 50 Kilo, also genau 49,6 Kilo, abgenommen. Mein BMI ist nun bei 25,9.

Ganz am Anfang setzt man sich Ziele:
So und so viele Kilos will ich abnehmen.
Das und das Gewicht will ich erreichen.

Nachdem man diese Ziele erreicht hat – wobei ich sagen muss, dass ich da kleinschrittig vorgegangen bin – wird es ab einem gewissen Punkt schwieriger, Ziele zu formulieren. Und es können auch nur dann neue Ziele erstellt werden, wenn man weiß, dass sie erreichbar sind.

Ich habe mal gelesen, dass ein gesunder BMI zwischen 18 und 25 liegt. Es liegt eine harte und anstrengende Zeit hinter mir und nachdem ich gesehen habe, was alles möglich ist, hat sich der Gedanke bei mir manifestiert, einen gesunden BMI haben zu wollen. Es sind jetzt schließlich nur noch 0,9 BMI-Punkte bis zur glatten 25. Dass diese durchaus schwer zu knacken sein können, ist mir bewusst, aber ich muss zugeben, dass ich mit alldem, was ich erreicht und geschafft habe, nicht gerechnet habe und ich wirklich super froh darum bin. So viel hat sich verändert.

Letztens gab es bei einem Discounter Disney-Klamotten. Ich LIEBE Disney!

So bin ich losgezogen und habe mir dort Leggins gekauft. Aber bitte in welcher Größe? Ich habe mir eine M (40/42) und eine L (44/46) geholt – na gut, spaßeshalber auch eine S (36/38). Zu Hause probierte ich die M als erstes – hat gepasst, dann brauche ich L nicht testen. Nun nur mal so die S – Verdammt – sie passte. Ich brachte also M & L wieder zurück. Es ist noch gar nicht so lange her, da hätte ich dort gar nichts kaufen können, bzw. hätte es die Größe XXXL sein müssen.

Ich bin mir sicher, dass mir nicht alle Hosen in S, bzw. Größe 36/38 passen werden, aber diese tut es. Meine Tochter bekam sofort in diesem Augenblick Panik und hat mir den Zugang zu ihrem Kleiderschrank verwehrt. ☺️

Vor ein paar Wochen habe ich mir neue Jeanshosen gekauft, auch diese sind mir leider schon wieder zu groß. Ich weiß, es ist meckern auf hohem Niveau, bzw. könnte man Angeberei damit verbinden. Ein bisschen ist es das auch. Ich denke aber, dass ich mir das auch verdient und erarbeitet habe. Ich bin wirklich stolz auf das, was ich bisher geschafft habe. Ansonsten soll es Motivation sein – für mich selbst und auch für andere.

Eine kleine Anekdote habe ich noch. Bei mir auf Arbeit sind die Wege lang und meine Kollegen sind auf verschiedene Häuser verteilt. Wenn ich z. B. Büromaterial haben möchte, habe ich einen kleinen Spaziergang zu absolvieren. So kam es, dass ich dort also ankam. Wenn man so sehr verteilt sitzt, kommt es schon mal vor, dass man den ein oder anderen Kollegen einen längeren Zeitraum nicht mehr gesehen hat. Ich organisiere auch meist so viel Büromaterial, damit ich nicht so oft diese Wege laufen muss, denn es ist häufig sehr schwer. Jedenfalls begegnete ich an dieser Stelle einem Kollegen, und dieser unterhielt sich auch mit mir. Für mich war alles wie immer. Einige Stunden später klingelte mein Telefon und eben dieser Kollege war dran. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht, hob ab und sagte: „Hallo“.

„Lisa, warst du vorhin hier? Hast du abgenommen?“ Ich bejahte beide Fragen. Er war so erstaunt. Er fragte mich noch, ob das gewollt sei oder eventuell eine Krankheit dahinterstecke. Diese Frage habe ich übrigens nicht zum ersten Mal gehört. Ich konnte ihn aber beruhigen, dass alles in bester Ordnung und alles genau so gewollt sei, und bedankte mich bei ihm. Das fand ich toll und rührend.

Ich war schon mal über den ein oder anderen Kollegen etwas erstaunt, dass er/sie nichts gesagt hat, aber dieses Beispiel hat mir gezeigt, dass mich womöglich nicht jeder erkennt. So sehr habe ich mich in dieser kurzen Zeit verändert.

Der Kopf und seine Gedanken

Das ist alles gar nicht so einfach zu beschreiben. Auf meinen Spaziergängen in der Mittagspause oder auf den Wegen ins Büro oder nach Hause bekomme ich plötzlich solche Gedanken wie: „Kann es passieren, dass Du morgen wieder dick bist?“ „Wie viele Jahre hast Du Dir gewünscht, dass Du von heute auf morgen schlank bist?“ „Gut, nun ist Deine Entwicklung nicht über Nacht geschehen, aber der Zeitraum ist recht kurz.“ „Wie häufig hast Du Dir gewünscht, dass Du nur ein paar Tage lang keine Süßigkeiten, dafür aber ordentliches Essen zu Dir nehmen musst und alles ist gut?“ „Kann das in die andere Richtung auch wieder passieren, dass Du quasi von heute auf morgen wieder so fett/dick bist?“

Ich weiß nicht, ob ihr das verstehen könnt, welche Gedanken mich so umtreiben? Mir ist schon bewusst, dass ich so schnell nicht wieder zunehmen werde, aber gegen die Gedanken in meinem Kopf kann ich nichts machen und diese „Geistesblitze“ regen an, dass ich immer weiter darüber nachdenke und mir noch mehr Gedanken mache, die manchmal in Sorgen umschlagen. Es hilft mir, wenn ich mit meinem Mann darüber spreche. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass mir eine Psychotherapie etwas bringen würde. Noch vor der Operation habe ich mich darum bemüht, einen Platz zu bekommen. Um aber solch einem Platz zu ergattern, muss man so einige Hürden überwinden, was nicht ganz einfach ist.

Kurz nach der Operation war alles klar, bzw. vieles war klar. So nach und nach, mit immer mehr Alltag und Routine kommen Fragen auf, die ich gern beantwortet hätte, bzw. Hilfestellung und Hilfsmittel, die mir nützlich sein können, um hier und da besser klarzukommen.

In letzter Zeit schleichen sich noch andere Gedanken wieder still und leise ein. Diese Gedanken drehen sich ständig ums Essen. Das Schlimme daran ist aber, dass es nicht immer nur bei Gedanken bleibt, sondern sich diese verselbstständigt in eine Tat umsetzen. Es ist auch zu erwähnen, wobei ich das nicht als Entschuldigung dafür nehme, dass sich meine Bürosituation geändert hat. Ich habe einen neuen Vorgesetzten bekommen und der stellt sehr viel auf den Kopf, was mich nervt und stresst. Leider kann ich hier nicht so gelassen bleiben, wie ich es gern sein möchte. Dieser Stress wandelt sich in Gedanken rund ums Essen um. Es ist so, dass ich meist etwas Obst dabeihabe, was ich dann erst einmal esse – so weit so gut. Wobei ich mich darüber schon ärgere, denn das Obst möchte ich aus anderen Gründen und mit Genuss essen.

In meiner Schreibtischschublade sind immer ein paar zuckerfreie Müsliriegel und Filinchen. Wenn mich also das Obst nicht befriedigt und mich wieder runterbringen kann, dann greife ich auf diese Notfallriegel zurück. Auch habe ich das Gefühl, dass ich wieder mehr esse, also größere Portionen. Das gefällt mir nicht. Denn einen Notfall definiere ich eigentlich anders.

Ja, nach solchen Stressattacken und Befriedigung durch essen habe ich dann meist Bauchschmerzen und die halten eine Weile an. Alles Mist!

Okay, jetzt könnte man sagen, dass ich meine Probleme erkannt habe und diese sich ja nun leicht beheben und angehen lassen. Leider nicht! Ich bin esssüchtig und nur weil ich diese Sucht einige Zeit im Griff hatte, heißt es leider nicht, dass ich geheilt bin. Diejenigen, die einer Sucht, wie Drogen oder Alkohol verfallen sind, werden diese ihr Leben lang auch nicht los.

Ich werde mich noch intensiver darum bemühen müssen, einen Psychotherapieplatz zu erhalten, der mir helfen kann, mein Verhalten in solch besonderen Situationen besser unter Kontrolle zu bekommen.

Über den Ausgang werde ich berichten.

Ergebnisse 2. Blutuntersuchung

Vor ein paar Tagen war es so weit, und ich bin zu meiner zweiten Blutkontrolluntersuchung ins MVZ gegangen. Irre, wie schnelle sechs Monate vergehen. Selbstverständlich bin ich wieder mit einem murmeligen Gefühl dorthin, denn Blutabnahmen liegen mir einfach nicht. Ich wollte aber wieder tapfer sein und das Ganze im Sitzen absolvieren – wie beim ersten Mal.

Vor dem Termin soll man ja viel Wasser trinken, was ich getan habe. Bevor mir aber Blut abgenommen wurde, wurde der Blutdruck gemessen. Ich war ganz erstaunt, dass dieser zu niedrig war. Vor und kurz nach der Operation war er zu hoch; bei der ersten Kontrolluntersuchung war er okay und nun ist er zu niedrig. Alles nicht weiter schlimm, aber so kann man doch auch die Veränderungen messen und darstellen. Jedenfalls kam also nun die Nadel, und mir ging es plötzlich, aber nur kurzfristig, etwas komisch. Ich habe mich dann sehr auf meine Atmung konzentriert und versucht, mich mit meinen Gedanken abzulenken. Es ist mir ganz gut gelungen. Ich bin nicht ohnmächtig geworden.

Nach einiger Wartezeit vor Ort hatte ich dann noch das Gespräch mit der Ärztin, die mir wieder ein paar Fragen zu meinem Befinden gestellt hat, die auch für die Studie dienen, an der ich teilnehme.

So ging das Warten auf die Ergebnisse wieder los. Bereits eine gute Woche später rief mich wieder Frau Dr. Richter aus der MIC-Klinik an und konnte mir sagen, dass bis auf den Vitamin-D-Wert alles in Ordnung ist. Mein Vitamin-D-Wert war zu hoch. Davon habe ich noch nie gehört. Mir war immer nur ein Mangel bekannt. Ich bin mit Frau Dr. Richter so verblieben, dass ich 14 Tage kein Vitamin D nehme und danach dann nur noch alle zwei Tage. Nach dem Telefonat bin ich meine Medikamenten- und Nahrungsergänzungsmittelliste durchgegangen. Vitamin D ist in den Multivitamin- und Kalziumkapseln enthalten. Wie soll ich das reduzieren, ohne nicht auch alles andere wegzulassen? Dann fiel mir aber auf, dass die Vitamin-K-Tabletten auch viel Vitamin D enthielten. Dieses Mittel konnte ich erst einmal weglassen.

Zu viel Vitamin D kann zu Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfe, Erbrechen oder aber in schweren Fällen sogar zu Nierenschädigungen, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Tod führen. Einige der Dinge von dieser Liste (Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfe und Übelkeit) trafen auf mich zu. Ob das allerdings nur auf das zu viele Vitamin D zurückzuführen ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Das bleibt nun abzuwarten, wie sich das alles entwickelt. Über Amazon habe ich mir jedenfalls ein Präparat besorgt, dass nur Vitamin K enthält. Das war gar nicht so einfach, da etwas zu finden. Aber letztlich ist es mir doch gelungen.

NICHTS kann mich aufhalten!

Und plötzlich ist die Bürste nicht mehr voller Haare. Juchu! Das ist irgendwie ganz plötzlich passiert. Als wenn ein Schalter umgelegt wurde. Woran das liegt, kann ich nicht genau sagen. Sind es die Nahrungsergänzungsmittel Biotin, Kollagen und Zink oder war die Prognose der drei Monate doch richtig und mit dessen Ablauf hat dieser extreme Haarausfall einfach aufgehört?! Wie auch immer, ich freue mich darüber und bin auch erleichtert.

Allerdings sind die übrigen Haare nun sehr dünn, aber diese sind auch schon wieder etwas in die Länge gewachsen. In nächster Zeit werde ich erst einmal nichts weiter mit meinen Haaren anstellen. Dafür bleibt dann noch genug Zeit. Ich bin jedenfalls sehr erleichtert, dass sich das wieder gebessert hat. Woran es auch immer gelegen haben mag. Biotin, Kollagen und Zink werde ich jedenfalls weiter nehmen. Schaden tut es mir nicht.

Es war wirklich eine schlimme Zeit, die mich sehr deprimiert hat. Ich hatte immer die Einstellung, dass man sich Haare ruhig abschneiden lassen kann, denn sie wachsen ja nach. Aber dieser Haarverlust war wirklich eine harte Nummer für mich.

Ich hatte immer viele und dicke Haare auf dem Kopf, deswegen hat mich dieses Ereignis so hart getroffen. Obwohl ich wusste, dass es mich ereilen kann. Ich hatte wahrscheinlich die Hoffnung, dass dieser Kelch an mir vorbeizieht. Leider nicht. Aber jetzt wird alles wieder gut.

Mir ist schon klar, dass es schlimmeres gibt, auch warum Haare ausfallen, aber hier geht es um mich und meine Situation.

Das Schönste an mir bin ich!

15 Tage waren wir nun auf Mallorca. Es war wirklich schön, aber auch anstrengend. Und so sind alle froh, doch wieder die Heimreise anzutreten. Zugeben muss ich, dass ich dann doch meine Waage vermisst habe und mich mit als erstes auf sie gestürzt hatte, als wir wieder zu Hause ankamen. Ein gewisser Zwang ist also irgendwie vorhanden.

Mein Gefühl hatte mich meinen lassen, dass ich zugenommen habe, aber das Gegenteil war der Fall. Knapp vier Kilo weniger zeigte mir die Waage an. Damit hatte ich nicht gerechnet und war dann umso erfreuter.

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, denn eigentlich konnte ich so viel auch nicht essen, aber dennoch hatte ich das Gefühl, dass meine Abnahme nicht voranschritt. Nachdem die Wage aber nun eben dieses Ergebnis angezeigt hat, habe ich mich schon gefragt, warum ich mir solche Gedanken gemacht habe. Das Körpergefühl habe ich also noch immer nicht, wenn ich so denke.

Denn ehrlich: Die gute Urlaubsstimmung wird durch solche Gedanken ja dann schon etwas getrübt. Was schade ist, wenn man seinen Urlaub selbst damit belastet.

Von solchen Gedanken sollte man sich also lösen.

Ich weiß: Leichter gesagt als getan. Und mir selbst ist es ja auch nicht gelungen. Es hat nicht meinen ganzen Urlaub bestimmt – so ist es nicht und doch ließ ich mich von ihnen beeinflussen.

Selbst wenn man nicht abgenommen, sondern zugenommen hätte, sollte man sich doch vor Augen führen, dass man sich im Urlaub befindet und diesen sollte man genießen. Und das am besten mit allen Sinnen. Es darf auch schmecken.

Urlaub auf Mallorca

Bereits im Winter, noch vor der Operation haben wir diesen Urlaub gebucht. Erst war er für Ostern angedacht, haben uns aber dann doch für den Sommer entschieden, weil die Operation anstand und wir nicht wussten, wie es mir gehen wird. Mallorca ist zwar europäisches Ausland, aber hätte ich doch schnell ärztliche Hilfe benötigt, hätte das eventuell schwierig werden können – gerade bei einer solch speziellen Angelegenheit, wie einer Magenoperation. Ein weiterer Aspekt war das Essen. Was kann ich essen? Kann ich das essen, was mir dort angeboten wird? All diese Fragen haben uns zu der Sommerurlaubsentscheidung geführt. Eine sehr gute Entscheidung. Wir haben uns also eine Finca gemietet, die auch über einen eigenen Pool verfügt und nicht weit vom Strand entfernt ist. Das Warten auf diesen Urlaub hat sich auch deswegen gelohnt, weil ich 40 Kilo abgenommen habe und das alles ganz anders genießen kann. Ich habe mir ganz wundervolle und hübsche neue Bademode gekauft. Einen Badeanzug und einen high-waist-Bikini – beides in auffallenden Farben und Mustern. Ich fühle mich pudelwohl darin. Das wäre ohne die Operation undenkbar gewesen.

Auch trage ich aktuell ausschließlich Tops. Gut, meine Oberarme sind nicht der Brüller, aber es gibt viele Menschen, bei denen nicht alles perfekt ist. Wenn mein Mann Fotos von mir macht, nehme ich nun Positionen ein, die auffällig sind und nicht mehr stocksteif. Und am besten noch die Tasche vor den Körper als Versuch, sich dahinter zu verstecken. Ich zeige mich und finde mich schön. Das ist so unterschiedlich wie Tag und Nacht.

Es gibt aber auch einiges, das nachteilig ist, bzw. schwierig. Zu Hause habe ich mir über die letzten Monate so einige Lebensmittel angeschafft, so dass ich mir jederzeit immer eine passende Mahlzeit zubereiten kann. Das ist auf der Insel nicht ganz so einfach, weil es hier nicht alles gibt, bzw. ich es nicht finde. So muss ich etwas improvisieren. Ich verhungere nicht und komme ganz gut über die Runden. Wasser gibt es hier auch in 1,5 bzw. 2 l Flaschen. Da achte ich darauf, dass es pro Tag mindestens eine Flasche ist. Das klappt ganz gut und sie ist mein ständiger Begleiter.

Unser Urlaub gestaltet sich abwechslungsreich. Mal ein Strandtag, mal ein Pooltag und dann auch noch ein Sightseeingtag in einem Städtchen oder die Umgebung/Insel erkunden. So haben wir uns hier einen Canyon angeschaut, der durch Serpentinen zu erreichen war. Nachdem wir das Auto abgeparkt haben, mussten wir noch ein wenig klettern, um den Canyon voll und ganz sehen zu können. Früher hätte ich mich nicht getraut, die Felsen noch weiter hochzuklettern. Das hat etwas mit dem Gewicht zu tun. Ich hatte Angst, mich nicht nach oben zu bekommen, bzw. eben auch wieder unbeschadet nach unten zu kommen. Es war aber diesmal fast ganz leicht. Meine Höhenangst ist geblieben, aber die Felsen haben einen Sturz verhindert.

Es war ein schönes Erlebnis.

Auf Mallorca ist es im Hochsommer generell sehr warm. Mehr als 30° sind immer drin. So kam es, dass mein Mann eine sehr schöne Badebucht ausfindig gemacht hat. Diese war allerdings vom Parkplatz aus, nur mit einem 20 bis 30-minütigen Spaziergang zu erreichen. Dennoch sind wir losgelaufen. Der Hinweg ging kontinuierlich bergab, was für den Rückweg bedeutete, dass wir wieder bergauf zum Auto laufen mussten.

Solche Strecken habe ich schon immer geschafft. Ich bin immer gelaufen. Zwar meistens den anderen hinterher, in meinem eigenen Tempo, aber ich habe es geschafft. An Geschwindigkeit habe ich nicht zugelegt, aber am Ziel angekommen, brauche ich nicht mehr so lange für die Regeneration, bzw. bin ich im Allgemeinen danach nicht so kaputt. Gut, zwei Tage später hatte ich doch einen Muskelkater in den Waden, aber den fand ich nicht schlimm. Auch hat dieser mich nicht daran gehindert, eine Treppe mit mehr als 180 Stufen zu gehen. Ich bin zwar am Ziel aus der Puste, erhole mich aber viel schneller als früher und ich trage es nicht so lange in den Knochen mit mir herum. Das ist wirklich ein sehr schönes Gefühl.

Vor ein paar Tagen gab es am Pool eine kleine Challenge: Liegestütze.

Mit Erschrecken musste ich feststellen, dass ich diese nicht kann. Trotzdem ich einiges an Gewicht abgenommen habe, konnte ich noch nicht einmal eine Frauenliegestütze machen. Meine Arme sind einfach zu schwach.

Früher ging das problemlos. Das Tragen von schweren Einkauftüten scheint wohl meine Muskeln nicht erhalten zu haben. 🙂

Da muss ich mir wohl etwas anderes einfallen lassen, damit wieder Kraft in meine Arme kommt.

Habt ihr einen Tipp, wie ich das schaffen könnte?

Ich wäre über Eure Hilfe froh und dankbar.

Sei die Heldin Deiner eigenen Geschichte

138 Tage ist die Operation nun her und heute zeigt mir meine Waage ein Gewicht an, das ich das letzte Mal 2003 gesehen habe. Vor über 20 Jahren, und ich war schwanger, habe ich 40 Kilo weniger gewogen.

Ich bin völlig baff!

Weiß das nicht richtig einzuordnen

Mein Mann sagt immer zu mir, dass er stolz auf mich ist und er Respekt vor mir und meiner Leistung hat. Ich kann das nicht so verstehen. Aus meiner Sicht leiste ich nichts. Für mich passiert das irgendwie einfach so.

40 Kilo… Wenn man mal so darüber nachdenkt, ist das ein kleiner Mensch. Ich freue mich wirklich über diesen Verlust, kann meiner Freude aber nicht richtig Ausdruck verleihen.

Die Erwartung war, dass mir alles leichter fällt und sich eine gesteigerte Lebenslust einstellt. Allerdings ist das leichter gesagt als getan. Ich weiß nicht, warum mir das so schwerfällt. Es müsste doch eigentlich das leichteste von der Welt sein. Mir passen Klamotten in kleineren Größen, ich kann mich besser bewegen, ich bin nicht mehr so schnell außer Atem, bzw. erhole mich viel schneller. Ich fühle mich attraktiver und schaue mich gerne im Spiegel an und dennoch ist nicht alles locker und leicht. Ob es daran liegt, dass ich hängende Hautlappen sehe oder doch nicht alle Klamotten so passen, die ich mir bestelle oder vielleicht an den Rückenschmerzen und dem Schwindel, der mich ständig begleitet? Auch mit dem Essen klappt es noch immer nicht vollständig. Fleisch schmeckt häufig noch sehr komisch – gerade, wenn ich es 15- bis 20-mal gekaut habe. Oft ist es dann so, dass es seinen Geschmack so sehr verändert hat, dass ich es nach dem zweiten Bissen schon nicht mehr mag. Momentan lebe ich eher vegetarisch. Obst und Gemüse mag ich am liebsten. Brot kann ich ab und zu auch schon wieder essen, aber auch nur in kleinen Mengen.

Für meine Familie ist das auch nicht immer ganz einfach, weil sie ständig denken, dass es mir schlecht geht, was so nicht stimmt. Ja, ich habe mit der einen oder der anderen Situation zu tun, aber es geht mir nicht schlecht. In meinem Gesicht sieht man mir die Freude über all das Erreichte nicht an. Ich selbst merke auch, dass meine Stimmung zu wünschen übriglässt. So richtig toll finde ich das alles nicht. Keine Ahnung, was da mit mir los ist. Ich will meine Familie nicht mit runterziehen und wenn ich das tue, tut es mir sehr leid. Mal schauen, wie ich das in den Griff bekomme.

Knapp verfehlt

Manchmal macht mein Körper es schon extrem spannend. Als meine Abnahme startete, habe ich mir mehrere Ziele gesetzt. Da waren z. B.

20 Kilo Abnahme,
25 Kilo Abnahme,
endlich wieder unter 100 Kilo wiegen und
30 Kilo Abnahme.

Das aktuelle Ziel sind 90 Kilo auf die Wage zu bringen. Ich gehe einmal pro Woche, immer am Samstagmorgen nach dem Aufstehen auf die Toilette und dann nackt auf die Waage. Im Vergleich zur letzten Woche habe ich 900 Gramm abgenommen. Das ist super und ich freue mich wirklich über jedes Gramm weniger auf der Anzeige. Aber … 90,1 Kilo! Das ist doch … Da könnte man doch verrückt werden. Da muss ich wohl noch etwas warten. Es ist nicht so, dass davon etwas abhängt und/oder ich eine Wette zu laufen habe, die ich gewinnen will, aber eine gewisse Vorfreude stellt sich ein und so entwickelt sich dann eine entsprechende Erwartung. Und wenn diese dann nicht erfüllt wird, stellt sich so etwas wie Enttäuschung ein, die natürlich totaler Blödsinn ist. Wie gesagt, 900 Gramm weniger, sind ein tolles Ergebnis.

Aktuell habe ich die Abnahmeziele von 20, 25 und 30 kg geschafft. Ebenso wiege ich unter 100 Kilo. Eine Abnahme von 40 Kilo wäre momentan realistisch. Viel fehlt nicht mehr dazu. Aber das Hauptziel ist ein gesundes Gewicht und verbunden damit ein gesundes und leichtes Leben. Spaß und Freude soll es mir wieder bringen.

Mal schauen, wie ich dann noch weitere Ziele definieren kann und sich diese realisieren lassen.