Blutuntersuchung, EKG und Ultraschalluntersuchung

Das Anfertigen des Blutbildes, das EKG und die Ultraschalluntersuchung kann man bei seinem Hausarzt machen. Die MIC-Klinik hat eine Kooperation mit einem MVZ in Berlin-Charlottenburg, die genau wissen, welche Werte benötigt werden. Diese können die Untersuchungen auch mit der Krankenkasse abrechnen. Diese Untersuchungen können zusätzliche Kosten beim Hausarzt verursachen. Aber, wo man das machen lässt, bleibt einem voll und ganz allein überlassen. Ich habe mich für das MVZ entschieden, weil ich Bedenken hatte, dass ein benötigter Wert nicht kontrolliert wird und eine erneute Untersuchung durchgeführt werden muss.

Einige Wochen später bin ich zur Auswertung der Blutwerte erneut in das MVZ gegangen. Dort wurde dann auch das EKG angefertigt. Einige weitere Wochen später wurde dann die Ultraschalluntersuchung des Bauches gemacht. Obwohl es keine Überraschung hätte sein dürfen, so hat es mich aber doch getroffen, als mir gesagt wurde, dass ich Diabetes und eine Fettleber habe. Dies macht einem wirklich und eindeutig bewusst, dass man krank ist und das war der Zeitpunkt, an dem ich das nun endlich erkannt und akzeptiert habe. Die Ultraschalluntersuchung hat auch ergeben, dass ich einen Gallenstein habe, weswegen die Empfehlung ausgesprochen wurde, bei der Operation auch die Gallenblase zu entfernen. Das mag sich vielleicht erst einmal erschreckend anhören, war es aber gar nicht so sehr für mich. Ich habe mich mit dieser Thematik schon öfter konfrontiert gesehen, da Probleme mit der Gallenblase in meiner Familie sehr verbreitet ist. Das Entfernen macht dahingehend Sinn, weil speziell Frauen dazu neigen, bei Gewichtsabnahmen Gallensteine zu bilden und diese können schmerzhaft sein. Hinzu kommt, dass das Entfernen dieser Steine nach einer Operation nur bedingt möglich ist. Es kommt auf die Art der Operation an, ob man dann noch an die Gallenblase herankommt.

Nach einer Magenbypass-Operation ist eine Magenspiegelung nicht mehr möglich und somit auch keine Entfernung von möglichen Gallensteinen.

Mit der Entscheidung, dass bei meiner Operation auch gleich die Gallenblase entfernt wird, konnte ich sofort sehr gut leben. In der Vergangenheit hat mir mein Gallenstein zeitweise echte Probleme – Koliken und höllische Bauchschmerzen – verursacht. Ich habe mich versichert, dass ich auf die Gallenblase verzichten kann und mich das Fehlen nicht beeinflusst. Auch hierüber habe ich mit verschiedenen Ärzten gesprochen. Alle konnten mich beruhigen und damit war die Entscheidung schnell gefallen. Also, raus damit.

Wer schon einmal ein EKG gemacht hat, weiß, dass man sich auf ein Fahrrad setzt und in einer gewissen Frequenz eine gewisse Zeit strampeln muss. Je länger man tritt, umso größer wird der Widerstand. Wenn man nicht mehr kann, hört man auf und liefert so die Ergebnisse.

Ich persönlich möchte immer gut dastehen und somit strampelte ich, bis ich wirklich nicht mehr konnte. Eventuell hätte ich auch früher aufhören können, aber diese „Blöße“ wollte ich mir nicht geben. Meine Ergebnisse waren aber durchaus sehr gut, denn die Blutdruckmessungen zwischendurch geben ja Aufschluss über den Zustand.

Arzttermine und Untersuchungen/notwendige Unterlagen für Antragsstellung

Um einen Antrag für eine bariatrische Operation an die Krankenkasse zu stellen, müssen einige Termine absolviert und viele Unterlagen zusammengestellt werden. Ich möchte hier meine Erfahrungen teilen und eventuell Hilfestellung anbieten. Zu den einzureichenden Unterlagen gehören:

Die Liste ist lang und es ist durchaus zeitintensiv, alles zu erledigen.

Als ich alle Unterlagen vollständig hatte, habe ich sie bei der MIC-Klinik abgegeben. Der Antrag wurde dann an meine Krankenkasse geschickt und ich wurde darüber informiert. Als ich diese Mail las, habe ich mich so sehr darüber gefreut und ich war total aufgeregt. Allerdings ging nun das Warten los und jede Mail, die ich bekam, habe ich mit Spannung und Hoffnung geöffnet. Mir wurde gesagt, dass die Krankenkasse fünf Wochen Zeit hat für eine Entscheidung bzw. für eine Nachricht darüber. Knapp 1,5 Wochen nach der Antragseinreichung bekam ich von meiner Krankenkasse eine Information darüber, dass mein Antrag nun an den Medizinischen Dienst weitergegeben wurde. Auch darüber habe ich mich gefreut, denn das war für mich das Zeichen, dass sich die Krankenkasse mit meinem Antrag beschäftigt hat. Die Krankenkassen entscheiden die Zu- oder Absage meist nicht selbst, sondern ziehen den Medizinischen Dienst mit zu Rate. Das ist also kein schlechtes Zeichen. Wie gesagt, ich habe mich gefreut und ich war erleichtert, denn der Antrag wurde bearbeitet. Gute weitere 1,5 Wochen später habe ich dann doch mal bei meiner Krankenkasse angerufen, um in Erfahrung zu bringen, ob es denn schon eine Entscheidung gibt. Ich habe Überwindung gebraucht, denn ich wollte ja nicht drängeln. Die Frau am anderen Ende der Leitung bei der Krankenkasse war super nett und hat nachgeschaut. Das Gutachten des Medizinischen Dienstes lag vor und sie konnte mir das Ergebnis mitteilen. Es war eine Zusage der Kostenübernahme. Ich war so glücklich darüber, dass ich sofort anfing zu weinen vor Freude. Die ganze Anspannung fiel ab und Erleichterung und Glück machte sich breit. Ich habe mich mehrmals bedankt und war super aufgeregt. Danach habe ich sofort meinen Mann angerufen und ihm die tolle Nachricht überbracht. Das nächste Telefonat ging an die Klinik, um einen Termin für das OP-Vorgespräch zu vereinbaren.

Operationsmöglichkeiten/-verfahren

Es gibt einige Möglichkeiten, sich seinen Magen verkleinern zu lassen.

Es gibt das Magenband, den Magenballon, den Schlauchmagen, den Magenbypass (Roux-Y-Magenbypass), den Omega-Loop-Magenbypass, die Biliopankreatische Diversion (BPD) und die Biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch (BPD-DS).

Genauer vorstellen möchte ich hier aber nur den Schlauchmagen und den Magenbypass, da dies die beiden Operationsverfahren in Deutschland sind, die am häufigsten angewendet werden. Es ist allerdings auch noch dazu zu sagen, dass die Operationsmöglichkeiten noch in der Erforschung sind und sich somit immer wieder Neuerungen ergeben und meine Erfahrungen auf den Stand von heute beziehen.

Um sich das vielleicht alles besser vorstellen zu können, fange ich erst einmal damit an, den normalen Verdauungsweg zu beschreiben.

Der natürliche Verdauungsweg

Durch Kauen wird das Essen im Mund zerkleinert und mit Speichel vermengt. Kohlenhydrate werden hier schon mal grob aufgespalten. Das Essen rutscht nach dem Kauen durch die Speiseröhre in den Magen. Hier und jetzt beginnt die Eiweißverdauung. Der Magen funktioniert wie ein Lager. Er ist ein Aufbewahrungsort für das Essen, welches portionsweise über den Magenpförtner das Nahrungsgemisch in den Zwölffingerdarm abgibt.

Jetzt kommen die Gallensäure und Verdauungssäfte aus der Bauchspeicheldrüse dazu und alles wird vermischt. Proteine, Kohlenhydrate und Fette werden aufgespalten. Der größte Teil von Kalzium und Eisen werden hier aufgenommen. Durch Darmbewegungen wird der Nahrungsbrei vorangebracht. Nährstoffe werden im Leerdarm ins Blut aufgenommen. Im Krummdarm (ein Teil des Dünndarms) werden die restlichen Nährstoffe gebunden.

Unverdauliche Teile der Nahrung, wie Ballaststoffe, werden in den Dickdarm weitergeleitet und teilweise weiter zerteilt. Der eingedickte Speisebrei wird als Exkremente ausgeschieden.

Schlauchmagen

Die Schlauchmagen-Operation gilt weltweit als Standardverfahren und wird neben der Magenbypass-Operation am häufigsten durchgeführt. Ein großer Teil des Magens wird abgetrennt. Es entsteht ein bananenförmiger Restmagen, der ein Fassungsvermögen von ca. 70-150 ml hat. Demnach entsteht schon nach kleinen Nahrungsmengen ein intensives Sättigungsgefühl. Am Darm wird nichts gemacht. Zugleich kommt es zu einer Manipulation des Hungerhormons Ghrelin. Dieses wird in einem Teil des Magens gebildet und ist an der Steuerung der Energieaufnahme des Körpers beteiligt. Da dieser jedoch bei der OP entnommen wird, sinkt der Ghrelinspiegel nach dem Eingriff deutlich ab und weniger Hungergefühl macht sich bemerkbar.

Mineralstoffe und Vitamine müssen Dein Leben lang ergänzt werden.

Diese Operation ist endgültig, da der abgetrennte Magenteil entfernt wird.

Zu den Nebenwirkungen zählt, dass Sodbrennen entstehen oder bereits vorhandenes Sodbrennen verstärkt werden kann.

Magenbypass

Ein weiteres Standartverfahren ist auch der Magenbypass.

Diese Operation hat durch die kleine Magentasche einen einschränkenden Anteil und einen malabsorptiven Anteil, da durch die Umleitung eines Teils des Dünndarms Nährstoffe schlechter behalten werden.

Es wird eine etwa 15-20 ml kleine Magentasche (Magenpouch) am Mageneingang gebildet. Der größte Teil des Magens wird verschlossen und bleibt in seiner unveränderten Lage im Bauch.

Der Dünndarm wird durchgeschnitten. Die oberen Abschnitte vom Zwölffingerdarm und vom oberen Teil des Leerdarms werden umgeleitet. Hier fließen die Verdauungssäfte aus der Bauchspeicheldrüse und die Gallensäuren zusammen.

Der Teil des Darms, der unterhalb dieser Durchtrennung liegt, wird hochgezogen und mit der Magentasche verbunden.

Alle Nahrungsmittel und Getränke geraten somit durch den kleinen Magen auf direktem Wege in diesen Abschnitt des Darms.

Auch hier findet eine Veränderung der Hormone statt.

Wer unter Diabetes und/oder Sodbrennen leidet, wird von dieser OP-Variante besonders profitieren, da sich beide Leiden durchaus in Luft auflösen können. Auch können sich die Schilddrüsenwerte verbessern.

Mineralstoffe und Vitamine müssen auch hier Dein Leben lang ergänzt werden.

Ärzte und Ernährungsberater sprechen von supplementieren. Supplementieren bedeutet: ergänzen, ersetzen.

Unter Supplementation oder Supplementierung versteht man die gezielte und ergänzende Aufnahme einzelner Nährstoffe neben der gewöhnlichen Nahrung.

Zu den Nebenwirkungen bei der Magenbypass-OP zählt das Dumping. Dumping kann mit „plumpsen“ übersetzt werden und bedeutet so viel wie eine sogenannte Sturzentleerung von flüssiger und fester Nahrung vom Magen in den Darm.

Es gibt das Früh- und das Spätdumping.

Das Frühdumping tritt bereits einige Minuten nach der Nahrungsaufnahme ein.

Das Spätdumping zeigt sich meist einige Stunden nach der Nahrungsaufnahme. Zu den Symptomen gehören Übelkeit, Erbrechen, Blässe, Schweißausbruch, Völle- und Druckgefühl im oberen Bauchbereich und plötzlicher Stuhldrang.

Um dem entgegenzuwirken, nimmt man Zucker zu sich. Am besten eignet sich Traubenzucker zur schnellen Wirkung.

Egal für welches Operationsverfahren man sich entscheidet. Aus meiner Sicht ist es einfach nur wichtig, dass man sich damit beschäftigt, Vor- und Nachteile abwägt, sich Informationen einholt (egal woher) und dann eine Entscheidung trifft, die man vor allem vor sich selbst, verantworten kann.

Ich war lange Zeit davon überzeugt, dass ich einen Schlauchmagen haben möchte, da das ursprüngliche System erhalten bleibt. Nachdem ich aber gehört habe, dass Sodbrennen entstehen oder sich sogar noch verstärken kann, bin ich von dieser Idee abgewichen. Ich leide bereits seit Jahren unter Sodbrennen und nehme dagegen Pantoprazol ein. Bei der Magenspiegelung wurde festgestellt, dass ich kleine Verwachsungen bereits im Magen habe, die durch dieses Medikament verursacht wurden. Nichts Schlimmes, aber was nicht ist, kann noch werden. Darauf wollte ich verzichten und es nicht so weit kommen lassen.

Ganz wichtig ist aber vor allem, dass man diese Entscheidung für sich selbst trifft und sich nicht von irgendjemanden beeinflussen lässt. Ärzte können und werden einem zu dem ein oder anderen Operationsverfahren raten, aber die endgültige Entscheidung liegt bei einem selbst.

Was auch sehr wichtig ist, ist die Wahl des Krankenhauses. Ich war in drei verschiedenen Krankenhäusern, um auch hier die richtige Wahl zu treffen. Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht und war für alles offen. Meine Entscheidung war eine reine Entscheidung des Bauches. Alle Ärzte in allen drei Kliniken waren nett, verständnisvoll und einfühlsam. Sie waren alle bemüht und haben gute Aufklärungsarbeit geleistet. Alle haben meine Fragen beantwortet. Aber letztlich ist es die Chemie, die stimmen muss. Und so bin ich bei der MIC-Klinik in Berlin gelandet. Dieser Klinik ist ein Adipositaszentrum anhängig und sowohl die Mitarbeiter als auch die Ärzte sind nett und freundlich. Ich fühlte mich von der ersten Minute an, dort richtig aufgehoben. Das Gefühl stimmte einfach. Es ist schwer das zu beschreiben. Ich bin mit gemischten Gefühlen zu meinem ersten Termin gegangen, weil ich nicht wusste, wie man dort aufgenommen wird. Da man sich dort nicht direkt in einem Krankenhaus befindet, ist die Atmosphäre eine sehr angenehme.

Ich war dann noch in den Krankenhäusern in Spandau und in der Charité. Alle diese Häuser haben sehr gute Bewertungen und leisten eine super Arbeit, um Menschen mit Adipositas zu helfen. Mir war hier der Krankenhauscharakter nur sehr dominant, was mir nicht gefallen hat und mich deswegen zur Entscheidung für die MIC-Klinik gebracht hat.

Die Entscheidung für eine Einrichtung ist also eine rein subjektive Entscheidung und von dieser sollte man vollkommen überzeugt sein – wie auch vom Operationsverfahren selbst. Nichts wäre schlimmer als eine Entscheidung, hinter der man nicht zu 100 Prozent steht. Diese Operation ist ein lebenseinschneidender Schritt und der muss wohl überlegt sein.

Ich habe mir dafür viel Zeit genommen und letztlich freue ich mich riesig auf meine Operation und bin vom Ort, vom Arzt und der Art und Weise absolut überzeugt.

Bitte überlegt es Euch wohl und nehmt Euch die Zeit, die es braucht.

Was kann man gegen Adipositas tun?

Wer es schafft und die Disziplin aufbringen kann, hält einen strikten Diätplan ein.

Meine Erfahrung zeigt leider etwas anderes. Für eine gewisse Zeitspanne kann man sich sicherlich zusammenreißen und sehr streng mit sich sein. Es dauert aber nicht lange, bis diese Disziplin und Selbstbeherrschung wieder nachlässt und man wieder in alte Muster verfällt. Oft schlägt dann noch der berühmte Jo-Jo-Effekt zu und man hat nachher noch mehr drauf als vorher. Wer kennt es nicht?!

Möglich ist auch Hilfe von Außerhalb, so dass man sich einer Ernährungsberatung unterzieht und von Dritten kontrolliert wird. Aber auch hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Scheu vor enttäuschten Äußerungen abnimmt und man eher selbst den Vertrag kündigt, als vor dem Ernährungsberater gut dastehen zu wollen.

Man kann sich auch bei Fernsehformaten anmelden, die mit Drill, Sport, Schweiß, Luxus- und Zeltcamps in Andalusien die Pfunde purzeln lassen. Als Belohnung lockt ein gewisser Geldbetrag, aber vorher hat man sich vor der Nation nackig gezeigt und bei vielen schlägt auch hier das Jo-Jo mit voller Wucht zu, weil man nach der Show allein gelassen wird. Wer den Wettkampf und die Herausforderung liebt, sollte das unbedingt tun.

Ich habe mich für die operative Möglichkeit entschieden. Und diese Entscheidung habe ich mir nicht leicht gemacht. Vor einigen Jahren hat sich eine Freundin operieren lassen. Ich fand das nicht gut und habe das eher verurteilt, weil ich einfach der Meinung war, dass sie sich den leichtesten Weg ausgesucht hat. Heute weiß ich, dass das nicht leicht ist. Ich habe ihren Leidensdruck nicht gekannt und mir dennoch ein Urteil gebildet.

Im Internet habe ich mich also auf die Suche begeben, wie ich meinem Übergewicht den Kampf ansagen kann. Drei Adipositaszentren sind es letztlich geworden, die ich aufgesucht habe, um mich für das Beste zu entscheiden.

Wer sich mit der Option der Operation beschäftigt, muss vieles bedenken und durchmachen. Man geht nicht einfach zu einem Arzt und bittet um eine Magenoperation. So einfach ist das leider nicht. Bevor eine Operation durchgeführt werden kann, müssen Untersuchungen des Bluts, des Herzens, des Bauchraumes und des Magens durchgeführt werden. Wenn man Glück hat, können Blut, Herz und ein Ultraschall des Bauchraums bei einem Arzt durchgeführt werden. Für eine Magenspiegelung muss man sich jedoch meist einen Facharzt suchen und das ist gar nicht so einfach.

Nachdem ich erfahren habe, dass auch eine Magenspiegelung durchgeführt werden muss, habe ich mir sofort einen Termin gesucht – über Doctolib. Als dieser Termin anstand, habe ich dort noch einmal angerufen, um mir diesen bestätigen zu lassen. Die Dame am Telefon fragte mich dann nach meinem Gewicht. Als ich ihr sagte, dass ich 128 Kg wiegen würde, fragte sich mit entsetzter und mit sehr lauter Stimme noch einmal nach, ob sie das auch richtig verstanden hatte. Sollten andere Patienten in ihrer Nähe gewesen sein, haben die das alle mitbekommen. Sie sagte mir, dass die Liegen in ihrer Praxis ein solch hohes Gewicht nicht aushalten würden. Ich habe ihr erklärt, dass ich aber den Termin für meine bariatrische Operation benötigen würde. Sie entgegnete mir, dass das ja sein mag, aber ich müsse mir da einen anderen Arzt suchen, denn bei ihnen würde das nicht gehen.

Jetzt war ich entsetzt und auch sprachlos. Ich habe dann einfach aufgelegt und war den Tränen nahe. Wie konnte man so mit einem Menschen umgehen. Es stellt sich die Frage, ob nur schlanke und leichte Menschen eine Magenspiegelung brauchen? Da ich aber so perplex war, habe ich ihr diese Frage nicht gestellt. Allerdings habe ich eine Beschwerde an diese Praxis geschrieben, die aber unbeantwortet blieb. Ich musste mir nun also schnell einen neuen Termin suchen, was aber gar nicht so einfach ist. Solche Termine sind rar und nicht leicht zu bekommen. Seit ich mich dazu entschlossen hatte, mich dieser Operation zu unterziehen, bin ich einer Selbsthilfegruppe auf Facebook beigetreten und habe dort meine Problematik geschildert. Von dort bekam ich sofort viele hilfreiche Antworten und konnte mir doch recht zeitnah einen Termin in einem Krankenhaus organisieren.

„Geständnis“ an Familie und Freunde

Solch eine Operation macht man nicht, ohne einige Personen einzuweihen. Familie und Freunde zählen dazu. Ich gebe zu, dass es mich Überwindung gekostet hat, denn es bestand durchaus die Möglichkeit, dass es kritische Stimmen gibt. Darauf muss man vorbereitet sein.

Ich spreche hier nicht von meiner Familie, mit der ich unter einem Dach lebe. Mein Mann, meine Tochter und mein Sohn wussten von der ersten Minute an was los ist und was ansteht. Diese Personen sind mein sicherer Hafen. Hier habe ich sofortiges Verständnis für meine Situation, Zustimmung und Verständnis erfahren.

Ich habe als erstes meiner Mutter von meinem Vorhaben erzählt. Ja, sie war überrascht, aber hat positiv reagiert. Sie hat meine Gefechte der letzten Jahre mitbekommen. Ich bat sie, meiner Schwester erst einmal nichts davon zu erzählen. Mein Vater durfte natürlich eingeweiht werden. Meiner Schwester habe ich dann mal in einer ruhigen Minute eine Nachricht geschrieben. Das ist auch ein Weg, wenn man sich nicht traut, das persönliche Gespräch zu führen. Sie war mitfühlend und verständnisvoll. Ja, es hat mich ein wenig überrascht. Wenn ich kritische Stimmen erwartet habe, dann am ehesten von ihr.

Ihr dürft das bitte nicht falsch verstehen. Keine kritische Meinung oder Ablehnung hätte mich von meinem Vorhaben abbringen lassen. Es ist allerdings ein schöneres Gefühl, wenn man sich der Zustimmung und Unterstützung sicher sein kann.

Nachdem ich nun meine Familie eingeweiht hatte, habe ich sie immer über die Fortschritte des Prozesses auf dem Laufenden gehalten.

Einige Wochen vor der Operation war es mir nun auch ein Bedürfnis, Freunde in mein Vorhaben einzuweihen. Warum? Ich bin mit diesem einen speziellen Paar über 20 Jahre befreundet. In diesen 20 Jahren ist viel passiert. Wir haben uns gegenseitig geholfen, einiges durchgemacht und erlebt. Wir standen uns immer zur Seite, wenn es nötig war. Wir konnten uns auch eine längere Zeit nicht sehen und/oder hören, haben aber genau dort weitergemacht, wo wir aufgehört haben. So, als wenn es eine Pause nie gegeben hätte.

Es gibt davon nicht viele Menschen, aber hier habe ich sie gefunden. Und so hat es mich dann doch irgendwie belastet, dass ich es ihnen nicht gleich erzählt habe.

Als wir uns verabredet hatten, hatte ich geschrieben, dass ich bei unserem Treffen eine Neuigkeit zu verkünden hätte. Damit hatte ich natürlich Neugierde geweckt und so ging das Rätselraten los. Die richtige Antwort war aber nicht dabei. Ich bat darum, nicht weiterzuraten, denn ich wollte mein einschneidendes Ereignis persönlich, live und in Farbe verkünden.

Es kam der Tag und ich ließ die Katze aus dem Sack. Meine Freunde waren sich dem Leidensdruck, den ich hatte, nicht bewusst.

An beiden schätze ich ihre Art und Weise. Einmischen würden sie sich nie, aber sie äußern ihre Meinung. Sie sind sehr ehrlich und echt.

Meine Entscheidung finden sie mutig.

Es erfordert Mut, sich anderen Menschen anzuvertrauen. Den muss man aufbringen. Es hilft ungemein.

Stellt Euch vor, ihr erzählt keinem davon, lasst die Operation machen, verliert sehr viel Gewicht und trefft dann aufeinander – egal mit wem. Das „Hallo“ wird sicherlich groß sein und bestimmt müsstet ihr viele Fragen beantworten. Hinzukommt, dass bestimmte vertraute Personen vielleicht auch enttäuscht sind, weil ihr nicht zu Ihnen gekommen seid, um vorher mit Ihnen darüber zu reden.

Sicherlich, sie hätten Euch nicht beim Abnehmen helfen können, aber wenn man weiß, auf wen man sich verlassen und zählen kann, gibt es gleich noch mal ein schöneres und besseres Gefühl.

Bitte nicht falsch verstehen. Ich will niemanden dazu zwingen, sein Vorhaben in der Weltgeschichte zu verbreiten, aber es kann eventuell dem ein oder anderen helfen.

Oft ist es ja so, wenn man seinem Umfeld erzählt, dass man eine Diät macht oder mit dem Rauchen aufhört, dann können Eingeweihte zum Erfolg beitragen, indem Rücksicht genommen und Verständnis gezeigt wird.

Und wenn ihr wirklich niemanden zum Reden habt, dann bin ich gerne für Euch da. Meldet euch, wenn ihr einfach mal quatschen wollt. Ich freu mich auf euch.