Das Auge isst mit

Essen ist für mich weiterhin ein sehr großes Thema. Eigentlich könnte man ja denken, dass man sich mit einem so kleinen Magen da keine Platte machen braucht. Das Gegenteil ist der Fall. Meine Gedanken drehen sich aktuell noch mehr darum als früher vor der Operation. Damals habe ich einfach gegessen, was mir vorgesetzt wurde, was alle aßen oder ich eben in die Finger bekam. Heute ist es komplett anders. Nicht mehr ganz so einfach. Warum? Viele Dinge, gerade Zucker will ich nicht mehr essen. Da lasse ich die Finger von und mache einen großen Bogen darum. Ich habe mir noch nie so intensiv die Inhaltsstoffe und die Nährwerte der einzelnen Produkte angesehen, wie jetzt. Ich habe auch große Angst vor dem Dumping, deswegen muss der Zuckerwert sehr niedrig sein. Man sieht den Produkten ihren Zuckeranteil nicht sofort an. Da gibt es große Überraschungen, wenn man genau hinschaut. Ich weiß, das ist keine neue Erkenntnis, aber wenn man sich damit etwas genauer beschäftigt, kommt man aus dem Staunen an der ein oder anderen Stelle nicht mehr heraus. Ich dachte mir, ein Müsliriegel könnte nicht schlecht sein. Als ich genauer hinsah, war mehr als 20 g Zucker/ 100 g enthalten. Wow! Ein anderer Müsli Riegel ohne Zuckerzusatz hatte dagegen nur 1,7 g Zucker pro 100 g. Den kann ich mir tatsächlich gönnen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Auf Kalorien achte ich aktuell nicht so sehr, da ich so wenig esse, dass diese nicht auch noch eine Rolle spielen sollten. Und dann vertrage ich nicht alles. Weiche Weizenprodukte wie Brot und Brötchen sind nicht gut für meinen Magen. Damit kommt er einfach nicht klar und meldet sich dann mit Schmerzen und Übelkeit.

Meine Mahlzeiten werden momentan durch TikTok stark inspiriert. Dort werden viele einfache und schnell zuzubereitende Gerichte vorgestellt. Diese kann ich meist sofort und völlig unkompliziert nachmachen. Meist schmecken sie mir auch richtig gut. Ich habe mir dann auch noch angewöhnt, mir mein Essen hübsch anzurichten. Mir ist es wichtig geworden, auf solche Dinge zu achten und mein Essen nicht einfach nur zu verschlingen. Genuss, mit mehr als einem Sinn, ist wichtig.

Als meine Mutter ihren Geburtstag feierte, kam Essen von einem Caterer. Es wurde einiges an Fingerfood geliefert, darunter einige Salate. Diese Salate wurden in kleinen Gläsern angerichtet – gerade so viel, wie man sich wahrscheinlich auf einen Teller tun würde. Es waren unterschiedliche Salate, so konnte man sich durchprobieren. Ich fand das jedenfalls eine tolle Idee. Der Caterer wollte die Gläser nicht wieder zurückhaben, so habe ich mir einige davon mit nach Hause genommen. Seither richte ich mir darin die ein oder andere Mahlzeit zu. Zum Beispiel mein Frühstück aus Obst, Haferflocken, Chiasamen, Milch und Joghurt; fürs Büro tue ich Melonenstücke dort hinein oder portionieren mir einen Salat darin. Bei den geringen Mengen, die ich esse, was mich nicht immer glücklich macht, möchte ich wenigstens, dass es hübsch aussieht. Ich erfreue mich daran, wenn ich mein Essen so zu- und vorbereite und es dann essen kann. Meine Tochter meinte, das sei fancy. Gut, dann ist das so. Schon bei der Zubereitung freue ich mich auf den Verzehr. Einfach, weil ich mich damit beschäftigt habe und mir Zeit dafür genommen habe.

Auch esse ich „das Beste“ nicht mehr zum Schluss, sondern gleich am Anfang, da ich nicht weiß, wann der Schluss kommt. 🙂

Blutergebnisse

Vor einigen Tagen bekam ich vom MVZ einen dicken Brief mit meinen ersten postoperativen Blutergebnissen. Die Auswertung umfasste sechs Seiten. Da musste man lange gucken, um alles zu verstehen. Ein, zwei Tage später rief mich eine Ärztin aus der MIC-Klinik an, um mit mir meine Ergebnisse auszuwerten und zu besprechen. Insgesamt war sie recht zufrieden gewesen. Einen leichten Mangel an Vitamin B 12 und Vitamin K weise ich auf. Vitamin K soll ich durch Tabletten bzw. Nahrung aufnehmen. Bei Vitamin B12 riet sie mir vorerst zu Tabletten, wobei der Mangel auch durch eine Drei-Monatsspritze ausgeglichen werden kann. Ich habe mir Vitamin B12-Trinkampullen und Tabletten gekauft. Für die Anzahl der Trinkampullen werde ich beides am Tag nehmen, um den Mangel schnellstmöglich wieder auszugleichen. Danach dann nur noch einmal täglich die Tablette. Das werde ich so bis zur nächsten Blutuntersuchung machen. Sollte der Mangel dann noch immer vorhanden sein, werde ich mir die Spritze verabreichen lassen. Bevor bzw. am selben Tag der Blutabnahme habe ich einen Fragebogen des Adipositaszentrums ausgefüllt und eingereicht. Hier sollte ich Fragen zu meinem allgemeinen Befinden und eventuellen Beschwerden angeben. Meine größten Probleme bestehen darin, dass ich noch immer sehr stark unter dem Haarausfall leide und mich der ständige Schwindel nervt. In dem Telefonat wurde auch darauf eingegangen. Gegen den Haarausfall kann man nichts machen. Das sollte sich wieder regulieren. Um mein Haar aber zu stärken, hat mir die Ärztin Biotin und Zink empfohlen. Vor einiger Zeit hatte ich mir schon Biotin und Kollagen für die Stärkung besorgt. Jetzt nehme ich also noch zusätzlich Zink dazu. Ich muss abwarten, was mir das alles bringt.

Zum Schwindel erklärte sie mir, dass dieser von eventuell zu wenig Flüssigkeit kommen könnte. Ich sagte ihr, dass ich mindestens zwei Liter Wasser täglich trinken würde. Danach schilderte sie mir, dass Schwindel bei der Geschwindigkeit der Abnahme recht normal sei, weil der Körper stark arbeiten müsse. Bei ausreichender Flüssigkeitsaufnahme sollte sich das aber mit der Zeit wieder legen. Ich werde gespannt abwarten. Jetzt werde ich erst einmal meine Tabletten sortieren und mir einen neuen Zeitplan erstellen. Es ist gar nicht so einfach, 10 bis 12 Tabletten zu organisieren.

06:00 Uhr Einnahme von Schilddrüsentablette und Pantoprazol
08:30 Uhr Multivitamintablette
09:30 Uhr Vitamin B 12
10:00 Uhr erste Eiweißkapsel
11:30 Uhr Biotin
13:00 Uhr Kollagenkapseln
14:00 Uhr Zink
15:00 Uhr erste Calziumkapsel
16:00 Uhr Vitamin K
20:00 Uhr zweite Calziumkapsel
21:00 Uhr zweite Eiweißkapsel

Einige Präparate sehen gleich aus, bzw. verliert man den Überblick, welche Tablette was ist. Gerade dann, wenn man wie ich, die Tabletten in einem Tablettendispenser hat. Alle Uhrzeiten, der Einnahmen habe ich mir als Erinnerung im Handy eingetragen. Und damit ich weiß, welche Tablette dann aktuell an der Reihe ist, habe ich mir ihr Aussehen dazu geschrieben. Gut, am Ende des Tages muss ich sie alle genommen haben, aber nicht alle Präparate sollen gemischt werden, und außerdem möchte ich meinem Körper auch etwas Zeit geben, die Inhaltsstoffe verarbeiten zu können.

Wie macht ihr das? Lasst mir gerne einen Kommentar mit euren Routinen und Erfahrungen da.

Sich zu ändern ist unheimlich schwer

Ich glaube, ich hatte mein erstes Dumping. Ich bin nun 15 Wochen post OP und habe mir einen Becher geschnittenes Obst gekauft. Dies schnabulierte ich im Büro als kleine Zwischenmahlzeit so vor mich her, als ich plötzlich heftige Bauchschmerzen bekam und ich sehr schnell die Toilette aufsuchen musste. Der Kreislauf blieb stabil, was wiederum gegen ein Dumping sprechen würde. Mir ging es jedenfalls danach wieder besser. Ich war allerdings schon von dieser Spontanität sehr überrascht und beeindruckt. Das ging alles sehr sehr schnell.

Einige Tage später habe ich noch einmal solch einen Obstsalat gegessen, bei dem sich diese Situation nicht wieder einstellte. Vielleicht war es doch etwas ganz anderes, wofür ich allerdings keine Erklärung habe.

Es ist schon bemerkenswert, wie sehr man auf die kleinsten Kleinigkeiten achtet. Früher hatte ich all diesen Dingen, wenn sie denn überhaupt aufgetreten sind, überhaupt keine Beachtung geschenkt. Doch jetzt ist alles anders.

Habt ihr auch schon solche Erfahrungen gemacht? Was war bei Euch los?

Beschwerden

Mit einigen Beschwerden habe ich allerdings leider noch immer zu tun. Da ist an erster Stelle der Haarausfall zu nennen. Es ist wirklich der absolute Wahnsinn, was ich mir da täglich ausbürste. Das belastet mich so sehr, dass ich mich fast gar nicht mehr traue, die Haare zu kämmen oder zu waschen. Es sind wirklich Strähnen, die ich mir da rausziehe. Der Haarausfall kann viele Gründe haben. Das kann zum einen mit der Narkose zusammenhängen als auch mit der ganzen Hormonumstellung. Ich habe Stimmen gehört und gelesen, die da sagten, dass der Haarausfall drei Monaten nach der Operation einsetzt. Er würde drei Monate kommen, drei Monate bleiben und drei Monate gehen. Das hört sich verdammt schlimm an. Mich belastet das wirklich sehr. Ich hatte meinen Mann gebeten, mir meine Haare etwas abzuschneiden, da meine Spitzen ganz furchtbar trocken waren. Er schlug dann vor, doch etwas mehr abzuschneiden, um meine Haarwurzeln von meinen doch recht schweren Haaren etwas zu entlasten. Nach einem ausgiebigen Gespräch darüber haben wir entschieden, dass er mir die Haare nicht schneidet. Ich bin dann ein paar Tage später zum Friseur gegangen. Dort habe ich mir meine Haare gute 20 bis 25 cm abschneiden lassen. Sie sind noch immer so lang, dass ich mir einen Zopf machen kann. Grundsätzlich habe ich wirklich kein Problem damit, mir meine Haare zu schneiden. Sie wachsen schließlich wieder nach. Und beim Friseur war auch alles gut. Danach ging es mir aber nicht ganz so gut. Es gibt schon so viele Veränderungen. Die abgeschnittenen Haare waren auch alle blond. Diese blonden Haare haben das Grau am Oberkopf etwas kaschiert. Jetzt sind alle Haare grau und ich fühle mich plötzlich gealtert. Die kurzen grauen Haare lassen mich gut und gerne zehn Jahre älter wirken. Das ist nicht schön. Durch die Abnahme wirke ich doch jünger. Ich kann mir aber momentan die Haare weder färben noch bleichen. Noch mehr belasten will ich sie aktuell nicht. Das wäre nicht gut. Die Friseurin hätte das auch nicht befürwortet. Aus diesem Grund trage ich meine Haare also weiterhin als Zopf. Die Friseurin war aber auch eine ganz Liebe. Sie hat meine Sorgen verstanden und war auch ganz vorsichtig. Seit vielen Jahren bin ich den Produkten von Kérastase verfallen. Teurer Spaß, aber ich finde die Produkte ganz toll und habe davon einiges zu Hause. So habe ich mir jetzt auch ein Shampoo für feines Haar (Genesis) gekauft.

Mal schauen, wie lange ich mich mit dieser Thematik auseinandersetzen muss, und hoffe, dass es ein baldiges, gutes Ende nehmen wird.

Wovon ich dann und wann geplagt bin, ist Schwindel. Gut, wenn ich mich einen Moment in gebückter oder gehockter Haltung befinde, kann ich das verstehen. Manchmal ist es aber so, dass wenn ich ganz normal gesessen habe und dann aufstehe, ich mit dem Schwindel zu tun habe. An einer zu geringen Wassermenge kann es meiner Meinung nach nicht liegen, da ich täglich mindestens zwei Liter Wasser trinke. Bei meinem nächsten Arztkontakt werde ich das mal ansprechen und fragen, woran das liegen könnte.

Tja, und dann sind da noch meine Rückenschmerzen. Die erstrecken sich von der Rückenmitte bis zum Lendenwirbelbereich. Von dort aus zieht es manchmal ordentlich in den linken hinteren Oberschenkel hinein. Damit war ich beim Orthopäden, der mir bestätigte, dass das mehr oder weniger „normal“ sei, dass sich alle Bänder wieder neu sortieren müssen nach der Abnahme und dabei eben Schmerzen verursachen können. Mir wurde Krankengymnastik verschrieben, die ich auch schon absolviert habe. Es gab sehr angenehme Massagen und Tipps, wie ich mit dem Aufbau von Bauchmuskeln, den Schmerzen im Rücken entgegenwirken kann. Daran muss ich noch arbeiten. Zu Hause steht ein Hula-Hoop-Reifen, der auf seinen Einsatz wartet. Mal schauen, ob das was bringt. Denn jede Art von Bewegung ist besser als gar keine Bewegung.

Bürosituation

Eben war es noch ein Kompliment, und nun kommt es fast schon einer Kritik nahe. Seit ich wieder arbeite, bekam ich von meiner Kollegin jedes Mal, wenn wir uns auf dem Flur begegneten, Bewunderung und Komplimente entgegengebracht. Es hieß immer, wie toll ich abgenommen hätte. Daraus entstand meist ein Gespräch darüber, wie es mir damit geht und wie schwer es ihr fallen würde, abzunehmen und darüber, dass sie es eigentlich aufgegeben hat, da sie zu alt dafür sei und ihr Alter für ihr Gewicht verantwortlich sei. Heute war es so, dass sie mir sagte, dass ich jetzt aber etwas machen müsse, denn ich sei ja schon schlank genug. Das wiederholte sie sogar noch zweimal. Keine Ahnung, ob ich mich darüber aufregen soll oder ob es sich überhaupt lohnt, auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Ein bisschen geärgert hat es mich schon, zumindest aber verwundert. Irgendwie fand ich das blöd. Wahrscheinlich denke ich darüber noch einen Moment nach und dann ist es auch wieder gut. Wie schnell sich das ändern kann.

Zudem, zu „hohen“ Alter kann ich nur sagen, dass das nicht stimmt. Meine Kollegin ist 50 Jahre alt und ich kenne Menschen, die diese Magenoperation mit 60 haben machen lassen. Sie nehmen ab und fühlen sich immer wohler damit. Die Lebenslust und -freude ist wieder vorhanden. Deswegen kann ich nur sagen, dass es ein „zu alt dafür“ nicht gibt. Allerdings muss man es wollen. Bekanntlich lässt sich dann vieles schaffen, wenn der Wille da ist.

Wenn ich aber schon einmal im Büro bin, dann bleibe ich doch gleich mal dort und berichte etwas über meinen Alltag dort und wie sich dieser gestaltet.

Ich kann sagen, dass es besser läuft, als ich befürchtet hatte. Meine Angst war ja, dass ich wieder in den alten Trott verfalle und in meine besonderen Situationen gelange und dann wieder rückfällig werde. Ab und zu habe ich eine kleine, gesunde Zwischenmahlzeit, die aus Obst besteht. Das kommt nur dann vor, wenn das Frühstück sehr klein ausgefallen ist, weil mein Magen nicht mitgespielt hat. Mein Mittagessen bringe ich mir in aller Regel mit und kann es mir gegebenenfalls in der Mikrowelle warm machen. Ich habe aber auch einige Töpfchen Kartoffelpüree in meiner Schublade. Selten kommt es auch mal vor, dass ich losgehe und mir eine asiatische Sauer–Scharf–Suppe hole. Das ist aber wirklich die absolute Ausnahme. Meine 2 l Wasser trinke ich auch jeden Tag im Büro. Hier habe ich festgestellt, dass mir das Trinken im Büro leichter fällt, als zu Hause. Im Büro steht die Flasche immer griffbereit auf dem Tisch. Zu Hause bewege ich mich viel und habe die Flasche leider nicht immer im Blick. Schaffe aber dennoch meine Trinkmenge irgendwie. Nachdem ich gegessen habe, mache ich mich immer auf den Weg für einen Spaziergang. Mein Büro liegt direkt an der Spree – das nutze ich aus. Es kann aber auch vorkommen, dass ich ein paar Besorgungen mache. Das aber auch meist alles zu Fuß.

Aktuell kann ich also sagen, dass alles bestens läuft. Ich hoffe, dass mir das noch lange erhalten bleibt.

Sucht bleibt Sucht

Darüber sollte man sich bewusst sein. Wie jede andere Sucht, ist die Esssucht auch eine Sucht. Der Unterschied z. B. zur Alkohol– oder Drogensucht ist, dass hier bei der Genesung nicht auf Nahrung verzichtet werden kann. Das ist schon recht schwierig. Der Alkoholiker muss ganz auf Alkohol verzichten, der Esssüchtige muss sich auf gesunde Lebensmittel konzentrieren. Es gibt keinen gesunden Alkohol. Oder nur eine kleine Menge Drogen, wie eine kleine Portion zum Abendessen. Es gibt auch andere Süchte, deren Entzug nicht „nur“ mit Verzicht arbeiten können, zum Beispiel Workaholics. Letztlich ist es ja so, dass alles, was mehr als „normal“ gemacht oder konsumiert wird, eine gewisse Sucht ist. Nur manche werden gesellschaftlich geachtet oder gefeiert und andere werden eben verachtet und missbilligt. Das kann man gut finden oder auch nicht, aber kann man es ändern? Wahrscheinlich nicht. Man kann sich aber dazu Gedanken machen und darüber nachdenken. Ob es einem hilft… Ich weiß es nicht genau. Es ist nur so: viele Süchtige sind und bleiben es. Wenn sie der einen Sucht abgesprochen haben, haben sie sich eine andere Sucht gesucht, um sich abzulenken. Nicht bewusst ausgewählt, sondern hineingerutscht, weil sie von ihrer Ursprungssucht wegkommen wollen, beziehungsweise Ablenkung brauchen. Vergleichbar mit einer Übersprungshandlung. So kann es passieren, dass der Alkoholiker plötzlich süchtig nach Schokolade wird und Drogensüchtige sich dem Sport voll und ganz hingeben und so eine neue Sucht entstehen kann.

Die ständige Kontrolle des Gewichts und das Zählen von Kalorien kann zu einer Magersucht führen. Ich würde nicht sagen, dass ich schon so weit bin, aber hier muss man aufpassen und drauf achten.

Mir hat mal jemand erzählt, dass er früher morgens und abends auf die Waage stieg, um sein Gewicht zu kontrollieren. Nachdem er das für sich realisiert hatte und merkte, in was für einer Zwangssituation er sich da befand, konnte er damit sofort aufhören. Seit Jahren geht er nicht mehr auf die Waage und will sein Gewicht nicht wissen. Er merkt anhand seines Körpergefühls, ob alles im grünen Bereich sei. Das bewundere ich, aber da bin ich noch lange nicht. Mein Körpergefühl hat mich immer im Stich gelassen. Deswegen habe ich solche Ausmaße angenommen. Ich möchte und brauche die Kontrolle durch die Waage. Die Frage ist, wie sehr ich mich davon beeinflussen lasse und was es mit mir macht.

Ich finde es auch nicht verkehrt, dass das angezeigte Gewicht dann eine Reaktion hervorruft. Wenn es einen aber verrückt macht und man nie zufrieden mit seinem Gewicht ist, welches einem dann angezeigt wird, bin ich auch dafür, die Waage nicht mehr zu benutzen.

Nach meinem Körpergefühl kann ich aber noch nicht gehen. Das ist noch nicht vorhanden. Dazu ist alles noch viel zu frisch und noch nicht eingespielt genug.

Vielleicht kommt es irgendwann einmal. Aber noch ist mir die Waage nicht lästig. Aktuell gehe ich gern drauf. Klar wäre es doof, wenn wieder eine größere Zahl dastehen würde, aber damit kann ich dann arbeiten und weiß, wo ich stehe.t dort so hinein.

Die Psyche kommt so schnell nicht hinterher

Ich versuche das mal zu beschreiben. Vielleicht gelingt es mir.

Vor wenigen Wochen saß ich mit Freunden zusammen, und als die mich fragten, wie viel ich denn schon abgenommen hätte und ich ihnen das sagte, kamen mir die Tränen. Tränen des Glücks und der Freude waren das.

Vor ein paar Tagen war es so, dass ich bei einer privaten Baustellenbesichtigung war. Dazu waren 15 Personen eingeladen. Für die Besichtigung der unterschiedlichen Etagen musste der Fahrstuhl benutzt werden. Ihr kennt das. Es ist immer eine Maximalbelastung angegeben.

Als ich sah, wie alle einstiegen, habe ich mich nicht getraut, weil ich dachte, dass ich eine Überbelastung auslösen werde. Alle Besucher waren mir bekannt und meinten, dass ich endlich einsteigen solle, ich wäre ja eh nur noch die Hälfte. Das stimmt nicht so ganz, aber ich bin mehr als 30 Kilo leichter. Ich bin eingestiegen, aber mit einem komischen Gefühl. Meine Selbstwahrnehmung ist noch eine ganz andere.

In der Nacht zuvor habe ich von mir geträumt. Im Traum hatte ich realisiert, dass ich abgenommen habe und schlanker war, aber ich habe mich so nicht gesehen. Ich stand vor einem Spiegel und habe nur meine Waden gesehen. Es waren dicke fette Stümpfe. Das hat mich verwundert, denn so dick waren sie nie und ich fühlte mich ja auch ganz anders. Was ich damit sagen will. Ich bin mir der Zahlen der Abnahme und auf der Waage bewusst, aber mein Gefühl kommt nicht so schnell hinterher. Die Kleidergrößen werden kleiner, ich fühle mich besser, aber im Kopf bin ich noch nicht so weit.

Ich habe mich um psychologische Hilfe bemüht, aber das ist superschwer. Die Hürden, die da zu überwinden sind, sind echt hoch. Es wird einem wirklich nicht einfach gemacht. Ganz verstanden habe ich das System mit der Kostenabwicklung noch nicht. Gerne möchte ich aber Hilfe haben. Ich werde noch ein Weilchen dran bleiben und versuchen, doch noch Unterstützung zu bekommen.

Habt ihr damit Erfahrungen gemacht?
Wenn ja, welche?
Wie seid ihr an einen Therapieplatz gekommen?
Hat die Therapie geholfen?
Hat sie etwas gebracht?t?

UHU – unter Hundert

13 Wochen nach der Operation habe ich 29,9 Kilo abgenommen und bin nun endlich wieder zweistellig. Und dann auch noch so, dass ich morgen nicht gleich wieder dreistellig sein kann. Ich bin davon völlig überwältigt und kann das noch gar nicht realisieren. Ja, ich freue mich wie Bolle darüber, habe es für mich aber noch nicht gefasst. Es ist schwer zu beschreiben.

Letzte Woche waren Freunde zu Besuch. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich 28,7 Kilo abgenommen. Als ich das erzählte, wurde es mir plötzlich bewusst und dann überkam es mich. Die Tränen kamen einfach. Dagegen konnte ich gar nichts machen.

Ich muss zugeben, dass ich meine Ergebnisse nicht als meine Erfolge ansehe, sondern das ist ja von allein passiert und ich ja nur wenig esse. Viel dazu tue ich nicht, wie z. B. Sport. Mein Mann sagt mir immer wieder, wie stolz er auf mich ist und mich für meine Leistung bewundert. Ich sehe das anders und nicht so. Ja, ich muss einige Einschränkungen hinnehmen und Hindernisse überwinden, sehe aber die Leistung dahinter nicht. Dies zeigt mir, dass ich mich verstärkt darum kümmern muss, eine Psychotherapie zu beginnen. Mein Kopf kommt scheinbar nicht hinterher mit all den Veränderungen. Es ist viel passiert. Fällt mir auch schwer, das alles in Worte zu fassen. Oft sind es Kleinigkeiten, die mir plötzlich bewusstwerden. Ich kann meine Beine wieder überschlagen, ohne dass es aussieht, als wenn ich ein Bauer wäre. Und nicht nur das. Überschlagen passen sie auch unter eine Tischplatte. Ich mag meine Beine. Sie wirken so schlank. Ich kann meine Schlüsselbeinknochen wieder sehen und meine Hüftknochen wieder spüren. Von meinem Gesicht und meinen Gesichtszügen will ich gar nicht erst anfangen. Mein Ehering sitzt ganz locker am Ringfinger. Da muss sicherlich bald etwas passieren. Vor ein paar Tagen habe ich meinen Badeanzug anprobiert – keine Ahnung, wie lange ich mich nicht mehr in solch einem Outfit gezeigt habe. Er passt! Dennoch werde ich mir wohl einen Neuen gönnen, denn ich freue mich schon auf den Sommerurlaub. Ich liebe lange Strickmäntel, Kaftans und Kimonos. Diese habe ich immer auch im Sommer als „Versteck“ getragen. Die konnte ich mir immer sehr gut umwickeln und war so der Meinung, dass ich mich damit verstecken kann. Diese Kleidungsstücke trage ich heute immer noch sehr gern, weil ich sie chic finde und mich darin gut fühle. Genau das ist der Unterschied. Ich fühle mich darin wohl und kann mich viel befreiter darin bewegen und den fliegenden Stoff präsentieren. Das macht Spaß! Oft trage ich diese Teile aber auch nicht und habe sogar recht eng anliegende Oberteile an. Ja, die ein oder andere Speckrolle ist noch da und man kann sie sehen, aber ich kann damit ganz anders umgehen als noch vor ein paar Wochen. Das Selbstvertrauen entwickelt sich immer mehr in die positive Richtung.

Das alles überwältigt mich doch sehr und ich komme mental da nicht so hinterher. Klar freue ich mich über alles, aber richtig frei kann ich noch nicht leben. Oft überkommen mich Zweifel bzw. ist meine Laune getrübt, wenn ich wieder Bauchschmerzen habe oder mir übel ist. Da fällt es mir schon mal schwer, positive Gedanken zu haben. Allerdings versuche ich mir doch immer wieder vor Augen zu führen, was man geopfert hat, um diese Operation zu ermöglichen, bzw. was zu meinem Gewichtsverlust geführt hat. Das war schon alles ein ganzes Stück Arbeit. Da ist es nicht verkehrt, dass man sich auch mal selbst auf die Schulter klopft und sich selbst lobt für das bereits Erreichte.

Heute war ich bei der ersten postoperativen Blutkontrolle. Mein mir ewig unterstellter Bluthochdruck war heute nicht mehr da und ich hätte allen Grund dazu gehabt, denn die Blutabnahme verursacht mir immer enormen Stress. Bei dem Gespräch mit der Ärztin hatte ich nachgefragt, wie hoch die Abnahmen in dieser Zeit, nach ihrer Erfahrung so seien. Innerhalb von drei Monaten sei meist mit einer Abnahme von 15 bis 20 Kilo zu rechnen, sagte sie. Sie machte tellergroße Augen, als sie hörte, dass es bei mir bereits 30 Kilo sind. Ich frage mich, wie man das nur steuern soll? Wenn ich nichts essen würde, okay, ist aber nicht so.

In zwei Wochen weiß ich, ob irgendwo von irgendwas ein Mangel vorliegt und was ich dagegen machen kann. Eine gewisse Aufgeregtheit ist schon vorhanden. Natürlich hoffe ich, dass alles in Ordnung ist, bzw. sollte etwas nicht in Ordnung sein, dass es schnell und unkompliziert korrigiert werden kann.

Das Leben ist hart, aber die einzige Zeit, in der man Spaß haben kann.

Was mich momentan sehr belastet, ist die ständige Übelkeit. Ich habe mich sicherlich an der ein oder anderen Stelle falsch ernährt, aber eben nicht ständig. Das kann einem schon sehr die Laune verderben. Mein Arzt in der MIC-Klinik bat mich ja um ein 14-tägiges Ernährungs– und Beschwerdeprotokoll, welches ich geführt und eingereicht hatte. Die Ernährungsberatung rief mich daraufhin an. Was genau die Übelkeit auslöst, konnte sie mir nicht sagen. Allerdings stellte sie fest, dass meine Nahrung sehr ballaststoffhaltig sei. Ich habe für mich ein Roggenknäckebrot entdeckt, das ich lecker und gut bekömmlich finde. Frau Brecht hat das zu viele Ballaststoffe. Ich soll auch darauf achten, dass mehr Fett an meine Speisen kommt. Ihr Fazit war, dass ich mich zwar sehr gesund ernähre, aber eben zu ballaststoffreich und zu wenig Fett.

Was ich für mich entdeckt habe, ist Wassereis. Hier habe ich festgestellt, dass dieses durchaus meinen Magen beruhigen kann, wenn dieser mal wieder rebelliert. Fast wie ein Verdauungsschnaps. Davon kann ich auch zwei Stück essen. Sehr lecker finde ich auch Latte Macchiato. Beinahe jeden Tag, den ich ins Büro gehe, trinke ich einen – selbstverständlich ohne Zucker. Das geht auch.

Nach der Taufe meiner Nichte kamen noch so einige Familienfeiern, die darin endeten, dass man ins Restaurant gegangen ist. Wenn es vorher noch Kuchen gab, war das wirklich schwierig. Die Abfolge der Mahlzeiten ist dann ja meist recht eng. Wenn ich den Kuchen nicht selbst gemacht habe, habe ich ihn nicht gegessen. Ich möchte mich der Zuckergefahr nicht hingeben. Allerdings habe ich ein tolles Rezept mit Quark und Früchten, das lecker schmeckt. Die Früchte kann man austauschen und so hat man jedes Mal einen anderen Kuchen. Jedoch füllt er recht gut und somit ist der anschließende Restaurantbesuch nicht ganz so einfach. Das eine Mal habe ich mir einfach eine Suppe schmecken lassen. Bei der nächsten Familienfeier bestellte ich mir Garnelen vom Grill. Superlecker und sehr eiweißreich. Sie wurden auch mit einer ordentlichen Portion Öl serviert, was dann allerdings etwas schwer im Magen lag. Aber sie waren wirklich gut und lecker. Schade ist leider nur, dass ich auch nur maximal die Hälfte von der Portion essen kann. Mitnehmen lohnt sich bei Fisch leider nicht. Die Kellner kommen immer an und fragen mich ganz entsetzt, ob es mir nicht geschmeckt hat oder ob irgendetwas nicht in Ordnung gewesen sei. Ich beteuere dann ganz intensiv, dass es sehr lecker gewesen sei, ich aber nicht mehr kann. Oft habe ich das Gefühl, dass es mir nicht geglaubt wird. Es ist mir schon ein wenig unangenehm, aber was soll ich machen? Nur weil mich die Kellner komisch anschauen, werde ich nicht weiter essen.

So werden sicherlich noch einige Familienfeiern mit und ohne Restaurantbesuche kommen. Die Speisekarte liefert aber für jeden Geschmack etwas. Mittlerweile lass ich mir auch gern im Vorfeld schon einmal sagen, welches Restaurant aufgesucht wird oder zumindest die Länderküche, damit ich entweder im Internet schon einmal nach der Menükarte gucken, oder aber mir schon einmal Gedanken machen kann, was für mich denn passen könnte.

Alles im allen ist das noch gar nicht so einfach. Ich bin mal gespannt, wie sich diese Thematik noch entwickeln wird.

Was sind Eure Erfahrungen? Schildert sie mir doch gern in den Kommentaren.

Die Frau im Spiegel gefällt mir

Meine erste Arbeitswoche ist also überstanden.

Nun folgt die Taufe meiner Nichte.

Da bin ich vor einigen Tagen durch meinen Kleiderschrank gegangen und habe mehrere Kleidungsstücke gefunden, die ich hätte anziehen können. Leider war aber kein komplettes Outfit mit dabei.

So habe ich dann auf meinen Jumpsuit zurückgegriffen, denn dieser ist figurbetonend und das wollte ich unbedingt. Nach der vielen und harten Arbeit der letzten Wochen, wollte ich zeigen, was ich geschafft habe und mich präsentieren.

Ja, ich wollte auch angeben. Das wollte ich mit mir noch nie.

Es hat auch geklappt!

Ich habe von allen Seiten Komplimente bekommen, die Balsam für meine Seele waren und gewisse Unannehmlichkeiten wieder gut gemacht haben.

Nach der Kirche ging es in den Garten, wo ein fertig gedeckter Tisch mit einem lecker aussehenden Kirschkuchen auf die Gäste wartete. Den habe ich mir aber gekniffen und habe mir einen Apfel klein geschnitten und gegessen. Ein kleines Stück ging sogar an meine Nichte, da sie keine Lust mehr auf ihren Brei hatte. 🙂

Momentan verzichte ich noch auf Alkohol. Bei solchen Veranstaltungen ist es ja aber meist üblich, dass ein Toast ausgesprochen wird. Hier habe ich als Alternative alkoholfreien Wein für mich entdeckt. Nein, alkoholfreier Wein ist nicht Traubensaft, wie mir dann gern gesagt wird. Der Wein ist säuerlicher. Ich finde ihn gut und trinke ihn gern.

An alkoholische Getränke werde ich mich später, langsam und vorsichtig versuchen. Noch habe ich genug mit der Nahrungsumstellung zu tun, da kann der Alkohol noch warten. 😉ersuchen.