Ich habe einen Hund, einen großen Hund. Einen Labradoodle gibt es in verschiedenen Größen, wir haben die Megaversion abbekommen. Ich liebe es! Ich liebe diesen Hund. Er hat ein so liebes Gesicht, so tolle Augen, er ist so lieb und gutmütig, verschmust und kuschelig. Er kann aber auch toben und verrückt sein.
Manchmal, nachdem ich ihn fast kahl gestreichelt und gekuschelt habe, sitzt mir dann der Schalk im Nacken und ich fange an, den Hund etwas zu necken und zu ärgern. Er macht dann meist auch sofort mit und wir schaukeln uns gegenseitig hoch, bis es irgendwann in einer wüsten Schlägerei zwischen uns endet. Das sieht dann so aus, dass er mich anfällt und mir in die Unterarme beißt. Aber niemals so doll, dass er mir wirklich ernsthaft Schaden zufügt oder mich verletzt. Auch wenn ich es beenden möchte, kann ich das jederzeit tun. Es macht uns beiden richtig Spaß, mal durchzudrehen und uns einen Kampf zu liefern. Meine Familie sieht dann auch gern zu, wie Hund und Frauchen sich gegenseitig anstacheln und was für ein Knäuel wir beide bilden.
Allerdings ist mir aufgefallen, dass ich seit der Magenoperation sehr viel schneller dazu neige, Blaue Flecken zu bekommen. Nach solch einer Session sind meine Unterarme grün und blau und sehr empfindlich. Der Hund beißt mich nicht immer, bzw. ist mein Unterarm nicht immer zwischen seinen Zähnen, manchmal stoßen wir auch einfach nur aneinander und schon habe ich einen Blauen Fleck.
Vor der Operation habe ich da viel mehr ausgehalten. Da hat mir das alles nicht so viel ausgemacht. Einmal war ich mit dem Hund spazieren und wir haben ein wenig herumgealbert. Dabei ist es passiert, dass ich mit meinem Handrücken gegen seinen Eckzahn gestoßen bin. Ja, das tat in dem Augenblick weh, ging dann aber auch recht schnell wieder. Als ich einige Minuten später wieder zu Hause war, mir meine Hände wusch, verspürte ich plötzlich wieder einen Schmerz. Auf meinem Handrücken hatte sich eine riesige blaue Beule gebildet. Ich habe mir sofort Heparinsalbe drauf geschmiert und gekühlt, gekühlt und gekühlt.
Es ist schon sehr erstaunlich, wie sich das verändert hat. Ein bisschen erschreckend vielleicht.
Wer glaubt, dass ich die Tobereien mit meinem Hund deswegen sein lasse, hat sich geirrt. Vielleicht mache ich sie nicht unbedingt vor einem gesellschaftlichen Event, bei dem die Unterarme in den schönsten und buntesten Farben erstrahlen, aber nehmen lasse ich mir diese tollen Momente, die mir auch sehr viel Spaß machen, nicht. Auch hat mein Hund sehr viel Spaß daran und er macht das alles ja nicht mit Absicht oder Böswilligkeit.
Gerade schaut er mich mit seinen lieben braunen Augen an und ich schmelze dahin. Es ist Zeit für eine Kuschelrunde.
Nun also doch. Mich haben so viele Gedanken geplagt, dass ich nun doch beschlossen habe, meine Fuß-OP zu verschieben.
Bereits im August fängt Weihnachten für mich an. Da beginne ich, mir Gedanken zu den Adventskalendern zu machen. Mein Mann, meine Tochter und mein Sohn bekommen immer einen von mir selbst gestalteten Kalender.
Während der Corona-Pandemie haben wir sehr gerne asiatische Reisgerichte gegessen, die man in der Mikrowelle warm machen konnte. Ich weiß nicht, wie viele wir davon gegessen haben, bis ich auf den Gedanken kam, die Kartons umzukrempeln und daraus Adventskalender zu machen. Immerhin brauchte ich ja 3 x 24 Kartons. Das macht 72 Reisgerichte. Nun waren diese Kartons einige Jahre im Einsatz und diesmal wollte ich nun etwas anderes machen. Diesmal waren es quadratische Schachteln.
Es ist allerdings nicht so, dass ich einfach nur 72 Kleinigkeiten kaufe, sie wollen schon ausgesucht und durchdacht sein. Dinge, die nach dem Auspacken nicht einfach in einer Schublade oder Ecke verschwinden. Sie sollten nach Möglichkeit mehrmals genutzt werden oder anders nützlich sein. Deswegen muss ich schon recht früh anfangen, mir wenigstens Gedanken dazu zu machen. Nachdem ich nun auch wusste, dass ich noch ins Krankenhaus gehen werde, musste alles noch früher fertig sein.
Dann kamen plötzlich die Gedanken, dass ich an Weihnachten noch nicht wieder ganz laufen werde können. Das hat Stress und Panik in mir verursacht. Ich wurde immer nervöser. Ich fing an, mir richtig Sorgen zu machen. Weihnachten ist mir wichtig. Ich liebe es zu dekorieren, zu basteln, zu schmücken. Ja auch zu backen und für meine Familie zu sorgen. Diese kleinen Geheimnisse, etwas zu planen und sich auf die Reaktionen zu freuen, die hoffentlich kommen werden, weil vielleicht nicht mit allem gerechnet wird. All das wurde von meinen Gedanken an die Fuß-OP und die Sorgen um meine fehlende Einsatzfähigkeit überschattet.
Ich habe mir so viele Gedanken dazu gemacht und bin letztlich zu dem Entschluss gekommen, dass ich diese Operation verschieben werde. Nachdem ich das mit meinem Mann, meiner Familie und dem Krankenhaus geklärt hatte, war ich einfach nur erleichtert.
Die Operation findet nun im Januar statt. Bis zum nächsten Urlaub ist dann noch immer ausreichend Zeit für die Heilung. Mit dieser Entscheidung bin ich wirklich sehr zufrieden. So kann ich das Weihnachtsfest und das Ende des Jahres noch sehr genießen.
Jedes Jahr gibt es, nicht nur zu Weihnachten, die Frage, wem man was schenken könnte – egal ob Familie, Freunde oder Kollegen. Hier findet ihr eine Liste mit Ideen für Geschenke, sortiert nach dem Alphabet. Die Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Diese Vorschläge können eventuell bei der Findung des richtigen und passenden Geschenks behilflich sein. Es gibt sicherlich noch einige andere Dinge mehr, die auf die Liste gehören. Sobald mir etwas einfällt, werde ich es hinzufügen. Gern könnt ihr mir aber auch in den Kommentaren Vorschläge hinterlassen.
Einige Dinge lassen sich auch wunderbar selbst herstellen und bringen so eine ganz persönliche Note mit hinein.
Der Operationstermin für den Fuß rückt immer näher. Immer mehr Gedanken und Zweifel machen sich breit. Ich fange an, mir Gedanken um Weihnachten zu machen. Meine Tochter hat diese Operation ja gerade hinter sich gebracht und ich sehe, welche Einschränkungen das alles mit sich bringt. Ich habe eine Familie, die voll und ganz hinter mir steht, alles mitmacht und mich unterstützt. Da kann ich mir sehr gewiss sein. In meinem Kopf ist das Problem, dass ich nicht loslassen kann. Ich bin der Meinung, dass ich meine Familie im Stich lasse, wenn ich mich nicht um den Haushalt kümmern kann und mich nicht im Alltagsgeschehen mit einbringe. Hinzu kommt, dass ich ja gar keine Schmerzen im Fuß habe und deswegen stelle ich das alles infrage. Mich zwingt keiner zu dieser Operation. Es wäre eine ganz freiwillige Angelegenheit. Gerade deswegen finde ich es aber wahrscheinlich so unfair, mich aus allem herauszunehmen. Sehr schwierig. Auch weiß ich, dass ich die Sache mit den Krücken nicht schaffen werde. Ich habe es versucht, mit den Gehilfen meiner Tochter, die Treppe nach oben zu gehen. Und auch wenn ich insgesamt weniger Gewicht mit mir herumtrage, habe ich nicht die erforderliche Kraft in den Armen. Irgendwo im Fernsehen hatte ich mal gesehen, dass eine am Fuß verletzte Person mit einer Art Roller durch die Gegend fuhr, bzw. lief. Vorstellen muss man sich einen Roller auf vier Rädern mit einem Lenker und einem Kissen, auf das man sich drauf knien kann. So ist der kranke Fuß entlastet und zur Not hat man beide Hände frei, wenn man zum Beispiel in der Küche steht, um sich dort etwas zu zubereiten oder so. Diese Lösung finde ich super. Daraufhin habe ich bei meiner Krankenversicherung angerufen und gefragt, was ich tun muss, um so etwas zu bekommen. Die grundsätzliche Antwort lautet: „Das muss Ihnen der Arzt verschreiben.“ Aha! Die Dame am anderen Ende der Leitung wusste nur gar nicht, wovon ich sprach. Also schaute sie einmal nach, ob es solch ein Gefährt überhaupt gibt. Nein! Ich bedankte mich und habe selbst bei Amazon geschaut und es dort auch gefunden. Wenn ich es also nicht verschrieben bekommen sollte, dann beschaffe ich mir dieses Gefährt eben auf eigene Faust. Wieder ein Grund weniger, Zweifel zu haben. Für die Operation spricht ja auch mein Alter. Sicher, warum sollte man etwas operieren, wenn es jetzt ganz ist, funktioniert und nicht schmerzt? Je jünger ich bin, umso mehr habe ich letztlich davon im Alter.
Nach vielem hin und her bin ich also nun wild entschlossen, mich unter das Messer zu legen. Meine Familie unterstützt mich und auch mit der Arbeit bekomme ich das schon irgendwie hin. Wird schon alles werden. Ich zieh das jetzt durch.
Ein leidiges und wiederkehrendes Thema. Was heißt wiederkehrend … es besteht irgendwie dauerhaft. Mit der Magen-Operation dachte ich, oder erhoffte ich mir, dass die Gedanken, die ständig um Essen, Gewicht, Kalorien etc. kreisen, weg sind. Nein! Sind sie nicht! Ob sie schlimmer sind? Vielleicht?! An sich sind die Gedankengänge eventuell gleichgeblieben, aber es sind definitiv neue Gedanken dazu gekommen. Gedanken, wie „Versau es dir doch nicht!“ „Streng Dich an!“ „Mach das richtig!“
Nachdem ich eine Phase hatte, in der ich merklich mehr gegessen habe und ich am Ende der Woche, an meinem Wiegetag, mehr als zwei Kilo zugenommen hatte, habe ich mich geschämt und war mehr als von mir selbst enttäuscht. Ich habe mich vor dem Spiegel gestellt und mich ausgeschimpft. Ich war wirklich richtig böse mit mir und konnte mich selbst nicht ausstehen. Im Konflikt mit einer anderen Person wäre ich gegangen, hätte sie stehen lassen und hätte einige Zeit nicht mit ihr geredet. Schlecht, wenn man selbst diese Person ist. Ich musste mich also mit mir selbst auseinandersetzen. Gut, normalerweise hat das Schimpfen mit mir immer dazu geführt, dass ich zum Essen gegriffen habe. Das durfte diesmal nicht so sein. Ich muss es doch schaffen können, auf meine Mahlzeiten zu achten, nicht zu übertreiben und mich selbst unter Kontrolle zu bringen. Andere können das doch auch. Die Chance, die ich durch diese Operation erhalten habe, muss ich doch nutzen und nicht alles wieder kaputt machen. Das wäre doch so schade. Das wäre so enttäuschend.
Nachdem ich mich also vor dem Spiegel ausgeschimpft habe, habe ich angefangen, mir Mut zuzusprechen und mich zu motivieren. Ich habe mich mit mir selbst verschworen. Es muss doch wieder in den Griff zu bekommen sein.
Also habe ich mich jeden Tag auf die Waage gestellt, morgens und abends. Ich habe strengstens darauf geachtet, nur drei Mahlzeiten am Tag zu essen. Ich habe komplett auf Süßigkeiten, Snacks etc. verzichtet. Hart aber was sollte ich machen. Auf mein Gefühl kann ich mich nicht verlassen. Das täuscht mich sehr und so waren böse Überraschungen plötzlich da. Für mich funktioniert nur Kontrolle und Überwachung. Anders geht es nicht. Ich würde es mir anders wünschen, aber dafür bin ich zu schwach und nicht gemacht. Jahrelange Gewohnheiten lassen sich nicht so einfach ändern und wegoperieren. Sicher ist es hilfreich, sich zu notieren, was man am Tag gegessen und getrunken hat. Kurz nach der Operation war ich auch diszipliniert dabei, aber das ist leider nicht mein Ding. Ich vergesse das Notieren, verschiebe es auf später und Tage später weiß ich nicht mehr, was ich gegessen und getrunken habe. Dies ist leider nicht zur Routine für mich geworden.
Im Grunde sind meine Mahlzeiten ja auch gleich. Morgens esse ich immer ein Overnight-Oat mit Haferflocken, Chia-Samen, Banane, Himbeeren, Milch und Joghurt. Mittags gibt es oft Reste vom Abendessen und abends dann etwas Selbstgekochtes. Wenn ich mich nur an diese drei Mahlzeiten halten würde, wäre alles nicht so schlimm und ich bräuchte mir keine Gedanken über irgendetwas machen. Leider bleibt es nicht dabei. Mein Mann sagt mir immer, dass ich Snacks planen soll. Ja und nein. Er hat schon recht damit, dass wenn es denn sein muss, es wenigstens richtig und vernünftig geplant sein sollte. Aber eigentlich will ich das ja gar nicht. Allerdings ist es auch so, dass ich manchmal etwas essen möchte, es aber zu den geplanten Mahlzeiten gar nicht schaffe. So bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als es später zwischendurch zu essen, wenn es denn unbedingt sein muss. Muss es das? Nein! Muss es sicherlich nicht. Nur manchmal freue ich mich so sehr darauf – gerade am Wochenende. Es gibt Momente, in denen schaffe ich es, ganz genau darüber nachzudenken, was jetzt zu tun ist. Ich wäge dann ab, was ich tun kann und was jetzt clever wäre. Es gelingt mir recht häufig, mir entweder einen Tee oder einen Latte Macchiato zu machen. Oft hilft mir das über die schlimmsten Gefühle hinweg und lässt mich noch warten, bis ich die nächste Mahlzeit zu mir nehmen kann.
Es ist mir leider noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen, bzw. habe ich es noch nicht im Gefühl. Mein Mann ist einmal nach sehr langer Zeit selbst auf die Waage gegangen und sagte vorher noch, was diese anzeigen wird. Es war so erstaunlich, dass es gestimmt hat. Das könnte mir nicht passieren. Selbst mit einer Woche voller Disziplin und selbst wenn ich mich jeden Tag wiege, könnte ich keine Zahl nennen, die in der Anzeige erscheint. Keine Ahnung, ob es mir jemals gelingen wird, da ein richtiges Gefühl zu entwickeln.
Bis sich das eventuell einmal entwickelt und einstellt, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich zu kontrollieren und mir eben Gedanken dazu zu machen.
Mal ein ganz anderes Thema: Hallux valgus Wer kennt es?
Wer es nicht kennt, dem versuche ich, das verständlich zu erklären. Beim Hallux valgus handelt es sich um eine schief stehende Großzehe, den großen Onkel also. Dieser Zeh wird meist durch zu enges Schuhwerk in Richtung der anderen, kleineren Zehe, gedrückt. So aber nicht bei mir. Ich trage dann und wann mal Absatzschuhe, die dann sicherlich im Bereich der Zehen enger zulaufen, aber das ist nicht mein tägliches Schuhwerk. Bei mir handelt es sich um eine Hypermobilität meiner Sehnen, die mit dafür verantwortlich sind, den Zeh an Ort und Stelle zu halten. Bei mir haben sie versagt. Das haben sie aber nicht erst jetzt, sondern schon von Anfang an. Leider ist es bei mir erblich bedingt, dass sich meine Zehe quer gestellt haben und ich somit einen Spreiz-Senk-Plattfuß habe – beidseitig. Bereits mit 18 Jahren hatte ich also schon so meine Knieprobleme wegen dieser Fehlstellung. Somit wurde ich an beiden Füßen vor vielen Jahren operiert.
Dies so weit zu meiner Vergangenheit. In der Gegenwart ist es so, dass ich diese Eigenschaft an meine Tochter vererbt habe. Von Anfang an habe ich auf vernünftiges Schuhwerk geachtet, und dennoch war sie noch unter zehn Jahre, als die Fehlstellungen ihre Anfänge zeigten. Seither waren wir regelmäßig bei Orthopäden zu Gast, haben Einlagen und Physiotherapie verschrieben bekommen. Der Arzt war toll, er hat immer neue Dinge versucht, um ihr eine Operation zu ersparen, aber mindestens diese so lange wie möglich hinauszuzögern.
Sie war 19, als die erste Operation erfolgte und 20 Jahre alt bei der zweiten Operation. Die Schmerzen in ihren Füßen waren einfach schon zu stark. Der Chirurg hat ganz tolle Arbeit geleistet und ihre Füße wieder repariert.
Noch einmal ein kurzer Sprung in die Vergangenheit. Als ich damals operiert wurde, wurde mein linker Zeh gerichtet und versteift. Im obersten Gelenk kann ich ihn also nicht mehr beugen. Was auch immer an meinem rechten Fuß gemacht wurde, der Zeh ist schief geblieben. Auf beiden Füßen prangen große, lange Narben, weshalb ich mich nie getraut habe, meine Füße in offenen Schuhen zu zeigen.
Die Operationen meiner Tochter haben mich dazu bewogen, mich ebenfalls in dem Krankenhaus vorzustellen, um in Erfahrung zu bringen, ob und was bei mir noch möglich ist. An meinem linken Fuß ist mir zusätzlich eine kleine Erhebung aufgefallen, wenn ich mit den Zehen kralle. Da bei den früheren Operationen auch Material im Fuß verblieben ist, hatte ich Angst, dass es sich dabei um einen Schraubenkopf handeln könnte. Es ist kein Schraubenkopf. Nachdem sich der Chefarzt für meine Füße interessierte und sich alles ganz genau angesehen hat, habe ich einen Operationstermin im November vereinbart.
Ich bin sehr positiv gestimmt, dass mir diese Maßnahme etwas bringt.
Durch die Abnahme sind die Füße zwar entlastet, aber durch das Übergewicht waren viele andere Gelenke sehr stark belastet. Ich erhoffe mir, dass durch die Fuß-OP die Schmerzen im Rücken weniger werden oder aber sogar verschwinden. Der Gedanke, mich wieder unter das Messer zu legen und für eine lange Zeit nicht laufen zu können, gefällt mir nicht, aber wie lange will ich noch warten? Ich bin noch nicht so alt, dass mir meine Mobilität egal ist.
Seit der zweiten Woche nach der Operation nehme ich Nahrungsergänzungsmittel. Von den Ärzten ist ein Multivitamin- und ein Kalziumpräparat angeordnet worden. Jeden Tag nehme ich also seither eine Multivitamin- und zwei Kalziumtabletten. Das reicht aber noch nicht. Nach der ersten Blutuntersuchung wurde festgestellt, dass ein Vitamin K Mangel besteht und Vitamin B12 sollte ich auch nehmen. Das sind also zwei weitere Tabletten, sind wir schon bei fünf. Da ich leider die Eiweiß Shakes nicht vertragen habe, decke ich meinen Bedarf mit täglich zwei Aminosäurekapseln. Das macht dann sieben Tabletten. Als es mit dem Haarausfall los ging, riet mir die Ärztin zu Kollagen, Biotin und Zink. Zehn! Zehn Tabletten, Kapseln und Pillen schlucke ich nun seither jeden Tag. Dazu habe ich mir einen Zeitplan ausgearbeitet und diesen in meinem Handy verewigt. Zehnmal am Tag bekomme ich eine Erinnerung, welches Mittel nun zu schlucken ist, denn alle gleichzeitig geht nicht. Manche sollen vor, mit oder nach dem Essen eingenommen werden. Die Präparate, die ich zweimal am Tag nehme, sollten auch eine Lücke haben, damit sie kontinuierlich wirken können. Mein Pillendöschen habe ich immer griffbereit bei mir. Alle drei Wochen fülle ich meine Dispenser auf und verursache damit eine Menge Müll. Leider bleibt mir nichts anderes übrig. Bei Amazon habe ich für meine Mittel auch jeweils ein Abo abgeschlossen, damit ich nicht immer an die Besorgung denken muss. Teuer ist der Spaß alle Mal. Aber was soll´s. Ich schaffe es nicht, alle notwendigen und erforderlichen Vitamine mit der Nahrung zu mir zu nehmen.
Nun ist es ja so, dass mir zu einigen Mitteln geraten wurde, weil mir die Haare ausfielen. Diese sind also nicht zwingend notwendig, damit mein Vitamin- und Mineralienhaushalt ausgeglichen sind. Vielleicht ist es möglich, etwas wegzulassen oder zu reduzieren. Bei der Biotinkapsel bin ich mir absolut sicher. Die ist wirklich nicht weiter wichtig, da sich Biotin auch in der Kollagentablette befindet. So werde ich meine Biotinvorräte noch aufbrauchen und dann ist das erledigt.
Meine Überlegungen treffen eher Zink, Vitamin K und Vitamin B12. Wobei ich mir beim B12 wirklich unsicher bin, denn hier sprach man schon vor Operationen davon, dass man sich das auch spritzen lassen kann. Es scheint also so, dass Mängel öfter auftreten.
Bei meinen ganzen Überlegungen kam mir dann auch noch in den Sinn, dass es ja kontrolliert werden muss, bzw. wie stelle ich denn einen Mangel fest und wie schlimm kann sich dieser dann auswirken?
Im ersten Jahr nach der Operation finden drei Blutuntersuchungen statt, die alle Werte sehr genau dokumentieren. Danach wird solch eine genaue Blutuntersuchung nur noch einmal im Jahr durchgeführt. Muss ich dann ein Jahr darauf warten, bis ich weiß, ob sich ein Mangel bei mir eingestellt hat? Und was ist, wenn ich einen Mangel habe? Kann man ein Jahr lang damit leben, ohne sich damit nachhaltig Schaden zuzufügen?
Nachdem ich mit meinem Mann darüber gesprochen habe, ist folgende Schlachtplan entstanden. Im März steht die nächste Blutuntersuchung an. Ich werde also im Dezember dieses Jahres zu meinem Hausarzt gehen und in mein Vorhaben schildern. Der kann mir auch sagen, welches Präparat ich weglassen kann, ohne dass ich allzu großen Schaden davontragen werde. Drei Monate sollten doch reichen, um herauszufinden, ob gewisse Mittel sein müssen oder weggelassen werden können.
Allein würde ich mich das nicht trauen. Ich werde mir ärztliche Unterstützung und Begleitung holen.
Es ist ein Versuch. Wenn er mir zeigt, dass es nicht so geht, wie ich es mir vorstelle und meine Werte in den Keller geben, bzw. sich verschlechtern, dann ist dieses Experiment gescheitert und dann wird alles wieder rückgängig gemacht.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt, welche Erkenntnisse sich daraus ergeben werden.
Immer, wenn ich zu den Blutuntersuchungen ins MVZ gegangen bin, habe ich dann noch ein Gespräch mit einer Ärztin geführt, die mir einige Fragen zu meinem Wohlbefinden und zu meinem Gewicht gestellt hat. Jedes Mal stellte sie mir auch die Frage, ob ich an mir einen verstärkten Haarwuchs feststellen würde. Das habe ich meist verneint, da ich eher mit dem Haarausfall zu tun hatte und als ich dieser wieder legte und meine Haare wieder wuchsen, war ich ja grundsätzlich total glücklich darüber.
Nun ist mir aber doch etwas aufgefallen, was ich damit in Verbindung bringen könnte. Ich habe das Gefühl, dass die Haare im Intimbereich, an den Beinen und unter den Achseln sehr schnell nach einer Rasur nachwachsen. Kaum habe ich mich rasiert, sind die Haare bereits zwei Tage später wieder so lang und präsent, dass die nächste Rasur fällig ist. Das war vorher nicht so.
Es war mir gar nicht so sehr aufgefallen, denn vor der Operation habe ich immer nur Klamotten angezogen, die Beine und Arme bedeckt haben und mir um Körperbehaarung gar nicht so viele Gedanken gemacht. Da ich nun aber kurze Hosen und Tops trage, ist es mir schon unangenehm, Stoppeln zu präsentieren.
Die Operation liegt nun ein Jahr und fünf Monate zurück. Was habe ich nicht alles an Veränderungen miterlebt und durchmachen dürfen. Dies gehört nun auch zu den Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Einerseits ist das lästig, aber auch irgendwie spannend, was der Körper da so erlebt und wie sehr man das bewusst wahrnimmt. Auch hier bin ich gespannt, ob sich das wieder verändern wird, wie bei den Haaren.
Stell Dir vor: Draußen sind 35° im Schatten und Du musst in die Stadt zum Einkaufen, bzw. zum Optiker.
Wenn ich nur Lebensmittel einkaufen gehe, habe ich meist ein Top, eine kurze Hose und ein paar Latschen an – zumindest bei diesen Temperaturen. Nun bin ich aber mit meinem Mann zum Optiker gegangen, da wollte ich nicht ganz wie Schlumpi aussehen. Shopping macht ja so unendlich viel mehr Spaß. Früher habe ich mir die ein- und dieselbe Klamotte immer in unterschiedlichen Größen bestellt, in der Hoffnung, dass eine passt. Heute kann ich bei einer Größe bleiben, mit der relativen Sicherheit, dass die Klamotte passt. Manches sieht nicht so aus wie abgebildet, okay, aber das ist mittlerweile eher die Ausnahme geworden. Es ist wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich war so häufig so deprimiert, wenn die komplette Bestellung wieder zurückgegeben werden musste. Ich hatte mir ein sehr langes Oberteil gekauft. Eine Art Hoodie-Kleid – dünnes, leichtes Material mit einer Kapuze. Sehr angenehm zu tragen. Vor der Operation wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, solch ein Teil ohne eine Hose darunter zu tragen, da die Oberschenkel immer aneinander gerieben und sich wund gescheuert hätten. Auch nicht bei 35°. Bei so hohen Temperaturen habe ich nun allerdings überlegt und beschlossen, keine Hose darunter anzuziehen und bin das Risiko wunder, schmerzender Oberschenkelinnenseiten eingegangen.
Locker, leicht und beschwingt konnte ich durch die Stadt laufen. Es war toll. Es mag sich merkwürdig anhören, aber für mich eine völlig unbekannte Erfahrung. Die Oberschenkel rieben nicht aneinander. Unfassbar! Wenn ich also keine Hose oder Strumpfhose anziehen möchte unter einem Kleid, dann muss ich das nicht mehr tun.
Ich hatte mir mal sogar extra solche Oberschenkelschoner angeschafft. Die sehen aus, wie sehr breite Strumpfbänder – geholfen haben sie mir allerdings nicht. Auf den verschiedensten Internetplattformen geben Frauen ihre Erfahrungen und Tipps weiter, wie sie diese Problematik mit Deodorant angegangen sind usw.
All das gehört nun der Vergangenheit an. Das ist so toll! Was ich allerdings immer noch nicht mag, ist, wenn ich sitze oder liege, dass dann Haut auf Haut liegt und sie aneinanderklebt. Beim Schlafen habe ich immer die Decke zwischen den Beinen und für den Tag habe ich nun immer ein Tuch dabei, was ich benutzen kann, denn ich schlage meine Beine zu gern übereinander.
Grundsätzlich mag ich meine Beine aber nicht zeigen, denn vor der Operation waren sie zu dick und nun hängt die Haut recht herunter und schlägt an den Knien Falten. Alles was ich anziehe, muss also mindestens Knie lang sein oder aber eben dann doch wieder eine Hose. Damit bin ich aber absolut fein.
Wieder einmal zeigt sich eine Thematik, an die vor der Operation nicht gedacht wurde. Wie denn auch?! Ich freue mich dann immer, wenn ich solche Veränderungen wahrnehmen kann. Das bereitet mir Freude und ein Glücksgefühl.
Gar nicht so einfach hier den richtigen Anfang zu finden. Durch Disziplinlosigkeit habe ich in den letzten Wochen drei bis vier Kilo zugenommen. Ja, ich fand das nicht schön, konnte mich damit aber irgendwie abfinden. Irgendwann war es dann so weit, dass ich mich doch recht streng in eine Richtung bewegte, die mir nicht mehr gefiel und ich die Notbremse ziehen musste.
Ja, ich war sehr nachlässig. Zu viel gegessen habe ich nicht, ich habe nur einfach immer gegessen – also doch zu viel – und die falschen Dinge habe ich zu mir genommen. Ständig habe ich etwas gegessen und dabei war es egal, ob Zucker oder eher etwas Herzhaftes.
Die süßen Mentos haben es mir leider besonders schwer angetan. Die kann ich Stangenweise verputzen. Ich habe es so gehandhabt, dass ich von Montag bis Freitag auf Süßigkeiten, Snacks und Knabbereien verzichte. Samstags war und ist der Tag der Waage und der Belohnung. Am Samstag konnte ich mir alles gönnen, worauf ich Lust hatte und was ich vertrug. Denn selbst, wenn ich Pizza hätte essen wollen, wäre das nicht gegangen.
Aber ich habe es mir gegönnt und mich somit für meine Disziplin belohnt. Mein „All-you-can-eat-Fress-Tag“ war geboren. Dann fing es an, dass ich am Sonntag genauso verfahren bin. Mit der Ausrede, es sei ja schließlich Wochenende. Ich kann mich ja die ganze Woche zusammenreißen und eben an zwei Tagen sündigen. Nach einer Weile kam dann auch noch der Montag hinzu, denn die Tage mit Disziplin Waren ja schließlich noch in der Überzahl. Hinzu kam, dass die Waage gar nicht so sehr gemeckert hatte, wie ich befürchtet hatte und schon war mein schlechtes Gewissen beruhigt und ich habe immer weiter gemacht. Zwischendurch noch meine Scheibe Knäckebrot mit Käse, eine Stange Mentos oder zwei oder drei…, Obst, Filinchen und und und. Die Liste kann sehr lang werden.
… und dann war es mir plötzlich sehr bewusst und zu viel auf der Waage. Panik und Angst machte sich breit. Das war zu viel. Du warst fett! Lass es nicht schon wieder so weit kommen! Sieht man es schon? Sind die Klamotten etwa schon wieder enger geworden? Ich habe mich mal wieder selbst enttäuscht! Mit dem Gedanken, dass ich es nicht schaffen werde, habe ich die nächste Woche auf Zucker, Süßigkeiten, Snacks und Zwischenmahlzeiten verzichtet. Es war hart.
Mein Körper hat mir mit ganz klaren Zeichen gesagt, dass er diesen Entzug nicht gut findet. Kribbeln und Nervosität machten sich breit. Der Kopf tat sein Übriges dazu, in dem er immer wieder ans Essen gedacht hat – immer und immer wieder.
Ich bin eisern und standhaft geblieben. Glaubt mir, das war nicht immer einfach, eigentlich fast nie. Aber ich musste da durch. All die Arbeit und die Qualen der letzten Monate kann ich doch nicht aufgeben wegen einer Stange Mentos. Das wäre doch mehr als albern.
Ich habe mich also zusammengerissen und jeder Attacke, jedem Wunsch nach Essen, jedem Gedanken, der kam und mir versichert hat, dass es nicht schlimm wäre, wenn ich nachgeben würde, widerstanden. Auch das Argument, dass es ja keiner mitbekommen würde und es ein Geheimnis bleiben würde, konnte mich nicht überreden.
Es kam nun also wieder der Samstag, der Tag, an dem ich mich immer kontrolliere und mir die Wahrheit über mein Verhalten gnadenlos entgegengebracht wird. Das erste Piepen für das Einschalten der Waage, das nächste Piepen für das Startsignal und das letzte Piepen für das Ergebnis. Nie gucke ich auf die Anzeige, bis die Messung nicht vorbei ist. Erst nach dem letzten Piepen schaue ich nach unten und entscheide, ob ich mit der Zahl zufrieden bin, denn oft habe ich die Zahl von der Woche davor nicht mehr vor Augen. Diesmal wusste ich aber, dass es ein richtig guter Erfolg war, denn die Anzeige gefällt mir sehr. Ich habe mich sehr gefreut und mich richtig stolz gefühlt, dass ich das wieder in den Griff bekommen habe. Eine weitere Woche voller Disziplin hat die zugenommenen Kilo wieder ganz verschwinden lassen – trotz des Belohnungstages, der diesmal aber nicht so ausschweifend ausgefallen ist.
Es klappt also. Ich bin froh und erleichtert darüber. Selbstverständlich soll das nun keine Dauereinrichtung werden, aber es zeigt mir, dass wir nicht mal über die Stränge geschlagen habe, ich nicht den Kopf in den Sand stecken muss. Es lässt sich wieder beheben. Man muss sich das alles nur bewusst machen.
Natürlich habe ich auch mit meinem Mann darüber gesprochen. Der sagte mir, dass ich mir eine Zahl setzen soll, die mein Maximalgewicht ist. Auf gar keinen Fall soll und darf es mehr werden. Und sollte die Waage doch einmal darüber liegen, müssen sofort Maßnahmen eingeleitet und ergriffen werden, damit das wieder korrigiert wird. Das nehme ich mir zu Herzen und empfinde das als sehr hilfreich. Mal schauen, ich bin sehr gespannt, wie sich das alles weiter entwickeln wird.